“Ich geh jetzt”

von Thomas Wings

Im ersten Strafprozess nach dem Urlaub muss man irgendwie wieder rein kommen ins Alltagsgeschäft. Man verlernt zwar in drei Wochen nicht das Verteidigen, aber schließlich ist der Urlaub dazu da, juristische Dinge aus dem Kopf zu verbannen. Und nun geht es wieder um was.

Um nicht weniger als ein paar Jahre in Freiheit oder Unfreiheit ging es dann gleich am ersten Tag vor Gericht. Schlechte Voraussetzungen: Der Mandant war immer wieder wegen der selben Dinge vorbestraft, hat zuletzt gesessen und stand noch immer unter Bewährung. Und nun sollte es um 19 neue Taten gehen, derer er angeklagt war, ein Großteil davon basierend auf der Aussage eines einzigen Zeugen. Aussage gegen Aussage. Von vornherein war klar, dass es mindestens drei Jahre setzen würde plus eine in der Folge widerrufene Bewährungsstrafe, wenn es zur Verurteilung kommt. Also keine einfache Aufgabe direkt nach dem Urlaub.

Aber es gibt einen Typus Zeugen, der einem die Sache dann doch wieder einfach macht. Eine Art Mensch mit einer gehörigen Portion Grundaggressivität und Belastungspotenzial, bei der man sich sofort fragt, wieso Polizei und Staatsanwälte dieser Person scheinbar alles glauben. Okay, die Staatsanwälte lesen auch nur, was Polizisten in Vernehmungen aufschreiben. Aber spätestens diese hätten sich fragen müssen, was da mit der Person los ist ...

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