Recht kann irgendwie jeder

von Mirko Laudon

Urteile ergehen „Im Namen des Volkes“ – das ist auch gut so, denn dadurch bekommt Volkes Stimme einen kompetenten Vertreter an die Seite, der über die Schuld und das Strafmaß urteilt. Andersrum bekommt der Richter zwei Laienrichter, also Schöffen an die Seite, die ebenso über Schuld und Strafmaß mitentscheiden und dadurch Volkes Stimme repräsentieren.

Recht und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe

In den letzten Jahren ist allerdings – gerade in Strafverfahren, die in der Öffentlichkeit stehen – zu beobachten, dass sich jeder zum Richter aufschwingt. Da wird über Beweisrecht diskutiert, die Zulässigkeit von Rechtsmitteln und natürlich über vermeintlich zu milde Strafen. Man meint, Recht kann jeder. Rechtsgrundsätze werden wahllos übertragen, vermeintlich passende Urteile vom Amtsgericht Kleinkleckersdorf herangezogen, es werden Vorschriften zitiert, die überhaupt nicht anwendbar sind. Schließlich wird immer darauf gepocht, die ganze Wahrheit zu ermitteln.

Natürlich gab es in den letzten Wochen und Monaten wiederholt Gerichtsurteile, die öffentliche Aufmerksamkeit und – teilweise zurecht – auch viel Kritik erregten: etwa die Freiheitsentziehung des Gustl Mollath, der 100-Millionen-Deal mit Bernie Ecclestone oder das Urteil im Fall Hoeneß – durchgängig waren diese Strafverfahren geeignet, Zweifel an der Justiz zu nähren. So kritisch diese Urteile auch aufgenommen wurden, es ist nach einer aktuellen Allensbach-Analyse nicht zu erkennen, dass sie das Grundvertrauen in die deutsche Justiz erschüttert hätten.

Das Vertrauen ist groß: Zwei Drittel der Deutschen haben ein großes Vertrauen in die deutschen Gerichte, nur 29 Prozent wenig und ganze fünf Prozent keinerlei Vertrauen. Über die letzten Jahre hinweg schwankte der Vertrauenspegel jeweils zwischen 60 und 71 Prozent ...

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