Geburtsschaden: mehrere kleine Fehler summieren sich zu grobem Behandlungsfehler: OLG Hamm 16-05-14

von Philip Christmann

Verzichtet der Arzt bei einem Geburtsvoprgang mit kritischen CTG-Werten nämlich auf eine mögliche Mikoblutuntersuchung, die zu einem aussagekräftigen pH-Wert geführt hätte, ist die Entbindung des Kindes schnellstmöglichst zu veranlassen. Wird bei pathologischen CTG-Werten gegen 17:40 Uhr die Geburt gleichwohl verzögert, kann dies als grober Behandlungsfehler zu bewerten sein. Denn ohne Erkenntnis über den pH-Wert war ein weiteres Zuwarten wegen der Gefahr der Schädigung des Kindes nicht mehr gerechtfertigt.

Der vergebliche Versuch der Förderung der Geburt durch die Anwendung eines Geburtshockers war dagegen über den hier gegebenen Zeitraum von 18:05 Uhr bis 18:30 Uhr fehlerhaft. Nach den Ausführungen des geburtshilflichen Sachverständigen wäre allenfalls ein einziger kurzfristiger Versuch akzeptabel gewesen.

Die Beklagten können sich auch nicht mit Erfolg unter Berufung auf das Privatgutachten Prof. Dr. L darauf berufen, dass die Herztöne ab 18:05 Uhr zeitweilig wieder im Normbereich gelegen haben und das CTG in der Schlussphase der Geburt zwischen 18:20 Uhr und 18:43 Uhr zwar auffällig, aber nicht hochpathologisch gewesen ist. Denn der geburtshilfliche Sachverständige hat plausibel darauf verwiesen, dass das Kind schon aufgrund der pathologischen Werte in der Zeit von 17:30 Uhr bis 18:00 Uhr geschädigt sein konnte. Deshalb hätte die von ihm geforderte Entscheidung zur Entbindung mittels Schnitt bereits gegen 17:50 Uhr getroffen werden müssen.

Nachdem es ab 18:20 Uhr wiederum zu einem Absinken der Herzfrequenz kam, wurde versucht, die Geburt im Kreißbett unter Kristellerhilfe herbeizuführen. Letztlich wurde das Kind gegen 18:43 Uhr nach einer Episiotomie spontan geboren. Bei dem Kind liegt eine hypoxischischämische Enzephalopathie mit gravierenden Beeinträchtigungen vor.

Es kann dahingestellt bleiben, ob hier schon einzelne der Behandlungsschritte als grobe Fehler zu werden sind ...

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