Lohnt sich eine Prozessrisikoberechnung?

von Gerfried Braune

Natürlich geben die Rechtsanwälte eine Einschätzung der Erfolgsaussichten der eigenen Rechtsposition ab, bevor sie einen Prozess einleiten oder auf der Beklagtenseite aufnehmen. Diese Aussagen sind in aller Regel allerdings eher schwammig (“Ich denke, wir haben gute Aussichten” usw.). Die Einschränkungen (vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand) werden von den Mandanten oft nicht richtig wahrgenommen, wass dann bei negativem Ausgang oft für Verstimmung sorgt, oder schlicht für unbrauchbar gehalten (“Typisch Jurist! Mit der Antwort kann keiner etwas anfangen.”).

Geht es auch anders? Natürlich, es gibt die mathematische Methode der Prozessrisikobestimmung anhand eines Entscheidungsbaums. Für eine Klage auf Schmerzensgeld, dessen Höhe unklar ist und bei dem auch die Frage von Mitverschulden im Raume steht, könnte dieser Entscheidungsbaum wie folgt aussehen:

Sie gehen von einem Schmerzensgeld von maximal 15.000 € aus, das Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % durchsetzen können, zu 50 % ein mittleres Schmerzensgeld von 10.000 € und zu 20 % ein niedriges Schmerzensgeld von 5.000 €. Zu 50 % gehen Sie davon aus, dass das Gericht kein Mitverschulden anrechnet, zu 30 % ein hälftiges Mitverschulden und zu 20 % ein hohes Mitverschulden von 4/5. Die Versicherung bietet einen Vergleichsbetrag von 6.000 € an. Was können Sie Ihrem (rechtschutzversicherten) Mandanten raten?

Nun, da hilft Bauchgefühl wenig. Der Erwartungswert der Forderung unter den gegebenen Umständen balüft sich auf 7.245 €, so dass Sie versuchen soltlen, den Vergleichsbetrag noch heruafzuhandeln ...

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