Wann liegt ein beendeter, wann ein unbeendeter und wann ein fehlgeschlagener Versuch eines vorsätzlichen Tötungsdeliktsversuchs vor?

von Bernd Rösch

Die Unterscheidung ist deshalb wesentlich, weil

  • von einem fehlgeschlagenen Versuch ein strafbefreiender Rücktritt nach § 24 Strafgesetzbuch (StGB) nicht möglich ist,
  • bei einem beendeten Versuch der strafbefreiende Rücktritt voraussetzt, dass der Täter
    • den Erfolgseintritt durch eigene Tätigkeit verhindert (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 StGB) oder
    • sich darum bemüht, wenn der Erfolg ohne sein Zutun ausbleibt (§ 24 Abs. 1 Satz 2 StGB),
  • wohingegen bei einem unbeendeten Versuch für den strafbefreienden Rücktritt nach § 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 StGB das bloße freiwillige Aufgeben weiterer Tatausführung und das Nichtweiterhandeln genügt.

Ein beendeter Versuch liegt vor, wenn der Täter

  • nach der letzten Ausführungshandlung
  • den Eintritt des tatbestandsmäßigen Erfolgs für möglich hält


(sog. Rücktrittshorizont; vgl. Bundesgerichtshof (BGH) – Großer Senat -, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/93 – ).

Eine Korrektur dieses Rücktrittshorizonts ist allerdings in engen Grenzen möglich.

Der Versuch eines Tötungsdelikts ist danach nicht beendet, wenn der Täter

  • zunächst irrtümlich den Eintritt des Todes bei seinem Opfer für möglich gehalten,
  • aber „nach alsbaldiger Erkenntnis seines Irrtums“ von weiteren Ausführungshandlungen Abstand genommen hat


(BGH, Urteile vom 01.12.2011 – 3 StR 337/11 – und vom 19.03.2013 – 1 StR 647/12 –; Beschlüsse vom 08.07.2008 – 3 StR 220/08 – und vom 07.05.2014 – 4 StR 105/14 –) ...

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