Bundesverfassungsgericht: Großeltern müssen bei der Auswahl eines Vormundes in Betracht gezogen werden

von Klaus Wille

Wenn die Großeltern eine familiäre Bindung zu den Enkelkindern haben, haben sie ein Recht darauf bei der Auswahl als Vormund für ihr Enkelkind in Betracht gezogen zu werden. Den Großeltern kommt dann Vorrang vor anderen nichtverwandten Personen zu. Nur ausnahmsweise können andere Personen vorgezogen werden, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass das Wohl des Kindes damit gedient ist.

1. Sachverhalt

Die Beschwerdeführerin ist die Großmutter der Enkeltochter. Eine erste Enkeltochter der Beschwerdeführerin kam im Jahre 2001 zur Welt und wurde von der Tochter der Beschwerdeführerin in die Obhut der Beschwerdeführerin gegeben. Im Jahr 2008 kam die zweite Enkeltochter zur Welt. Sie lebte zusammen mit der Mutter zunächst in dem Haushalt der Beschwerdeführerin. Im Jahre 2011 zog die Mutter zu ihrem Freund und nahm das jüngere Kind mit sich. Das Familiengericht entzog der Kindesmutter im Herbst 2011 die elterliche Sorge für beide Kinder. Das Jugendamt wurde als Vormund eingesetzt. Im Dezember 2011 wechselte die jüngere Tochter in eine Pflegefamilie. Dort lebt sie bis heute. Das Familiengericht bestellte die Beschwerdeführerin zum Vormund für die ältere Tochter. Für die jüngere Tochter wurde hingegen das Jugendamt bestellt. Dagegen legte die Beschwerdeführerin Beschwerde beim Oberlandesgericht ein. Das Oberlandesgericht verwarf die Beschwerde als unzulässig, da die Beschwerdeführerin nicht beschwerdeberechtigt sei. Dagegen legte die Beschwerdeführerin Verfassungsbeschwerde ein.

2. Beschluss vom 24.06.2014 (Az.: 1 BVR 2926/13)

Das Bundesverfassungsgericht hält die Verfassungsbeschwerde in diesem Fall für unbegründet. Grundsätzlich sei aber die Großmutter als Beschwerdeführerin auch bei der Auswahl als Vormund in Betracht zu ziehen. Dies ergebe sich aus Art. 6 Abs.1 GG (Schutz der Familie). Dieses Grundrecht umfasse jegliche Familienbindungen zwischen Großeltern und auch ihrem Enkelkind ...

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