Historische Sachbücher als Grundlage für Fiction-Stoffe?

Werden einem Roman oder Spielfilm reale Begebenheiten zugrunde gelegt, die bereits in einem Sachbuch veröffentlicht wurden, stellt sich die Frage, inwiefern die Übernahme einzelner oder mehrerer Elemente einen Urheberrechtsverstoß darstellt. Eine grundlegende Entscheidung zu diesem Thema traf das Oberlandesgericht München auf die Klage eines Sachbuchautors gegen den Bestsellerroman „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel.

Der Sachbuchautor hatte zwei Sachbücher über einen bis heute ungeklärten Mordfall auf einem Einödhof in Hinterkaifeck in Bayern veröffentlicht. Unter anderem anhand von Kriminalakten und Zeitungsberichten hatte er die Vorgeschichte, den mutmaßlichen Ablauf der Geschehnisse, sowie die Entdeckung der Mordopfer zusammen getragen. In dem späteren Kriminalroman sah er seine Urheberrechte verletzt.

Entscheidung des Gerichts

Das OLG München (Urteil vom 12.11.2009, Az.: 6 U 3595/08 – Tannöd) wies die Klage ab. Dem Kläger stünden weder urheberrechtliche noch wettbewerbsrechtliche Ansprüche zu.
Zwar könne auch der Gang der Handlung eines Schriftwerkes, die Charakteristik und Rollenverteilung der handelnden Personen, die Ausgestaltung von Szenen, sowie die Szenerie eines Romans urheberrechtlichen Schutz genießen, sofern diese eigenpersönlich geprägte Bestandteile bzw. Form bildende Elemente des Werkes darstellen. Historische oder tatsächliche Begebenheiten seien dagegen in ihrem Kern nicht urheberrechtsschutzfähig.
Diese Grundsätze könnten nach Ansicht des Gerichts auch bei einem Sachbuch als Vorlage entsprechend herangezogen werden, wenn der Kläger wie hier auch eigene persönliche Bestandteile in den Gang der Handlung hat einfließen lassen ...

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