Zu Fotos von „Lost Places“ aus rechtlicher Sicht

von Sebastian Dramburg

Fotografien einsamer verfallender Gebäude – im Fachjargon „lost places“ (dt. verlorene Orte) genannt – sind für Profis und ambitionierte Hobbyfotografen gleichermaßen ein reizvolles Objekt. Die vielseitigen, beeindruckenden Motive, an denen es auch in Deutschland nicht mangelt, werden meistens im Stillen erkundet, abfotografiert und anschließend wieder sich selbst überlassen.

Wer sich dabei an den szenetypischen Grundsatz „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“ hält, kann auch grundsätzlich davon ausgehen, dass sein Handeln schlimmstenfalls mit misslungenen Bildern bestraft wird. Denn auch wenn die Abgeschiedenheit der Orte und ihr (untypisch deutscher!) verlotterter Zustand darauf schließen lassen, dass jegliches Interesse an ihnen aufgegeben wurde, ist dieser Schluss juristisch gesehen falsch.

Hausfriedensbruch

Wer gegen den Willen des Eigentümers oder Besitzers ein Grundstück oder ein Gebäude betritt, das erkennbar abgegrenzt und vor fremdem Zugang geschüzt ist, begeht Hausfriedensbruch, egal in welchem Zustand sich das Gebäude oder Grundstück befindet. Dies gilt übrigens bei jeder Art von Abgrenzung (Zaun, Mauer, Pflanzenwuchs, Graben), solange sie nicht rein symbolisch ist (Pflastersteine), und auch, wenn sie selbst verfallen ist.

Ein Loch im Zaun, fehlende Türen oder kaputte Fenster, die quasi zum Durchklettern auffordern, ändern nichts daran, dass man sich möglicherweise strafbar macht. Die Betonung liegt dabei aber auf dem Wörtchen „möglicherweise“ - Hausfriedensbruch wird nämlich nur auf Antrag verfolgt. Ohne eine Anzeige des Eigentümers/Besitzers läuft da nichts, auch wenn vielleicht kurzerhand die Polizei Teil der Fotosession war. Und selbst bei einem möglichen Strafverfahren hat ein ansonsten unbescholtener Bürger nichts Gravierendes zu befürchten, wenn das Verfahren nicht sogar mit oder ohne Auflage eingestellt wird ...

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