Wenn Pflichtverteidigung zur Pflicht wird

von Holger Schmidt

Alles Banane? Verteidigung Zschäpe (Archiv)

Der dpa-Fotograf Peter Kneffel hatte am 08. April 2014 im “NSU-Prozess” ein feines Auge für die Banane von Rechtsanwalt Wolfgang Stahl. Das Bild spielte hier schon eine Rolle. Könnte es nun tatsächlich zum Symbol der künftigen(Pflicht-)Verteidigung werden? Oder geht es weiter wie bisher?Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hat offenbar entschieden, dass nach der Erklärung von Beate Zschäpe kein Grund dafür vorliegt, von einem zerstörten Vertrauensverhältnis zwischen Zschäpe und ihren Anwälten auszugehen. Heute um 13:00 Uhr soll die Hauptverhandlung fortgesetzt werden. Die zwei für den Vormittag geplanten Befragungen der Zeugen zur Brandstiftung in Zwickau wurden verschoben.  Zwei junge Frauen, die zu Urlauben des Trios aussagen sollen,  sind für 13:00 Uhr und 14:00 Uhr geladen. Aber kann es wirklich einfach weitergehen, als sei nichts geschehen? Drei Gründe, warum wohl eher nicht:

1. Beate Zschäpe selbst

Kann es Beate Zschäpe einfach wegstecken, dass sie sich zu einer aufsehenserregenden Aktion entschlossen, damit aber kaum etwas erreicht hat? Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Wären Zschäpe am vergangenen Mittwoch einfach die Nerven durchgegangen, hätte sie die Sache wieder einrenken können. Wahrscheinlich hätte der Vorsitzende darum auch kein großes Aufhebens gemacht: Dass Angeklagte unter der Anspannung einer Hauptverhandlung emotional reagieren, ist - noch dazu nach so vielen Verhandlungstagen - eher Regel als Ausnahme. Doch Beate Zschäpe zog ihren Antrag durch, beauftragte einen weiteren Rechtsanwalt (der fünfte seit dem Auffliegen der Gruppe) und gab über ihn eine Erklärung ab. Nimmt man die aus dem Ermittlungsverfahren bekannten Äußerungen von Zschäpe zum Vergleich, darf man unterstellen, dass sie sich das gut überlegt hat ...

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