Von Heroin und gutem Essen: Da geht man fast schon gerne ins Gericht…

von Rainer Pohlen

Gerichtskantine in neuem Look

Gestern hatte ich einen gerichtsfreien Tag. Eigentlich jedenfalls. Aber dann ereilte mich ein Anruf, ob ich ganz dringend einen Hauptverhandlungstermin in einer Betäubungsmittelsache für einen Kollegen wahrnehmen könnte, der eine Terminkollision übersehen bzw. nicht im Kalender eingetragen hatte. Der Mandant sei umfassend geständig, das sei eine leichte Nummer für mich, wurde mir lapidar mitgeteilt.

Also bin ich rübergetapert zum Amtsgericht, das nur 100 Meter von unserer Kanzlei entfernt liegt. Zuvor hatte ich einen kurzen Blick in die Anklageschrift geworfen, die es durchaus in sich hatte. Unerlaubtes Handeltreiben mit und unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in mehr als 40 Fällen. Konkret ging es um Einfuhrmengen zwischen knapp 10 und 30 Gramm Heroin, einmal um bloßes Handeltreiben mit rund 40 Gramm. Die Qualität des Rauschgifts war nach Aktenlage gleichbleibend gut, so etwa 30 Prozent Wirkstoffgehalt, also jeweils zwischen knapp 3 und 12 Gramm Heroinhydrochlorid. Die nicht geringe Menge beginnt bei 1,5 Gramm, der Regelstrafrahmen für die Einfuhr liegt zwischen 2 Jahren und 15 Jahren. Pro Fall, wohlgemerkt.

Mehr als 20 Vorstrafen standen im Strafregister, die angeklagten Taten waren während des Laufes einer Bewährung begangen worden und vor 3 Monaten hatte der seit zwei Jahrzehnten drogenabhängige Angeklagte noch eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 7 Monaten kassiert, die noch nicht rechtskräftig war. Eijeijei…

Ich habe mich dem Angeklagten kurz vorgestellt und ihm die Situation erläutert. Er war damit einverstanden, dass ich die Verteidigung in der Hauptverhandlung übernehme ...

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