Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

von Mirko Laudon

Der Frage, ob sich ein Angeklagter redend oder doch besser schweigend verteidigen soll, kommt in jedem Strafverfahren eine entscheidende Rolle zu, welche die Weichen für die gesamte dem Prozess zugrundeliegende Verteidigungsstrategie stellt. In dieser Woche wurde die Frage erneut kontrovers diskutiert, als Beate Zschäpe über den Vorsitzenden Richter des 6. Strafsenats am Oberlandesgericht München erklären ließ, ihre Verteidiger abberufen lassen zu wollen, weil sie das Vertrauen in diese verloren habe. Die Wellen schlugen – erwartungsgemäß – hoch und vor allem die Presse lief wild spekulierend zur Höchstform auf. Eine noch gemäßigte Auswahl:

Joachim Jahn (FAZ) twittere vorgestern:
„So kann’s enden, wenn Strafverteidiger Angeklagte ohne jede Rücksicht auf Wahrheit (und Opfer) offenbar zum Schweigen nötigen“

Annette Ramelsberger schrieb auf Süddeutsche.de:
„Schweigen allein ist zu wenig, um die Anklage zu entkräften. Möglicherweise hat Zschäpe das schneller erkannt als ihre Anwälte.“

Gisela Friedrichsen (Spiegel Online) stellte den Verteidigern gar ein insgesamt mieses Zeugnis aus: Eine schlechtere Befragung eines Zeugen, habe es selbst in diesem Verfahren bisher nicht gegeben, in dem die Zschäpe-Verteidigung allerdings selten überzeugend agiert habe:

„Gerüchte hatte es schon lange gegeben, die Hauptangeklagte wolle eigentlich reden, aber ihre Verteidiger seien dagegen. Da die Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl auch mit ihren Mitverteidigern nicht über ihre Strategie sprachen, wurde viel gerätselt.“

Offenbar weiß man wenig, rätselt, schreibt und redet dafür aber umso mehr.

Reden ist Silber

Die Frage, ob der Mandant schweigen soll, darf niemals „aus dem Bauch heraus“, sondern allein als Ergebnis rationaler Überlegungen beantwortet werden ...

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