Die Spione, die wir liebten

von Holger Schmidt

“Dagger Complex” bei Darmstadt

Die jüngsten Spionagefälle in Pullach und Berlin, Spionage unter “Freunden” und das deutsch-amerikanische Verhältnis waren die Themen für den SWR-Kommentar der Woche, den ich am vergangenen Samstag gemacht habe. Für Interessierte hier noch einmal der Text:

Die Spione, die wir liebten

Ein Spion im BND, dann vielleicht noch einer im Verteidigungsministerium, beide vielleicht nur der Auftakt zu weiteren Enthüllungen: Gestatten Sie mir bitte, dass ich mich über die großen Schlagzeilen und die ungeheure Empörung der vergangenen Tage wundere. Nicht, weil ich mögliche schwere Straftaten der Beamten bagatellisieren will. Sondern weil ich in den Vorgängen einige Normalität sehe und mich darüber wundere, wie emotional wir gerade auf die Vorgänge reagieren. Deswegen schlage ich zwei Dinge vor: Erstens sollten wir kurz innehalten und die Fakten betrachten. Dann sehen wir, dass wir es im Kern mit relativ erwartbaren Vorgängen zu tun haben. Und dann, im zweiten Schritt, sollten wir die Gefühlsebene betrachten. Denn in diesen Fällen – und bei den dicken Schlagzeilen – geht es um pure Emotion. Wie übrigens häufig beim Thema Spionage.
Soweit bekannt, hat ein BND-Mitarbeiter in Pullach bei München Dokumente zu denen er Zugang hatte, an einen amerikanischen Nachrichtendienst verkauft. Motive könnten Geltungssucht und Abenteuertum gewesen sein. Das ist verboten, wird den Mann wohl Job und Pension kosten, ins Gefängnis bringen und ist staatsbürgerlich bedauerlich. Aber es ist unter dem Blickwinkel des Unrechtsgehalts und der kriminalistischen Erwartbarkeit kaum anders, als der Falls des Bankers, der das Geld seiner Kunden veruntreut oder der Arzt, der die Krankengeschichte seines Patienten an die Boulevardmedien verkauft.

Sicher müssen sich Sicherheitsbehörden überdurchschnittlich viel Mühe geben, integres Personal zu haben. Wer aber glaubt unter den rund 6 ...

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