Alle gewinnen!

von Gerfried Braune

Immer, wenn Mediation angepriesen wird, liest man, dass es darum geht, dass beide Parteien gewinnen (win-win-Ergebnis). Aber was heißt das eigentlich konkret und ist das immer möglich?

Voraussetzung für ein Win-Win-Ergebnis ist, dass es sich nicht um einen reinen Verteilungskonflikt handelt. Wenn sich die zwei Schwestern um die einzige verbliebene Orange streiten, so ist das ein reiner Verteilungskonflikt, vorausgesetzt, es geht beiden wirklich darum, die Orange zu schälen und das Fruchtfleisch zu essen. Da keine Möglichkeit (zumindest in dem Beispiel) besteht, sich anderswo noch eine zweite Orange zu besorgen, kann das Ergebnis allenfalls ein Kompromiss sein. Das nennt man Nullsummenspiel: Der Gewinn der einen Seite entspricht dem Verlust der anderen Seite, die Summe ergibt immer Null.

Man könnte natürlich die Sichtweise darauf auch ein wenig ändern: Wen der eine mehr bekommt, als seine Nichteinigungsalternative, hat er ja einen Gewinn gemacht. Ebenso hat die andere Seite auch einen Gewinn gemacht, wenn sie weniger geben muss, als bei der Nichteinigungsalternative. Aber das ist mit Win-Win nicht gemeint.

Aber nicht alles, was uns so vorkommt, ist ein Verteilungskonflikt. Denn wenn man das berühmte Orangenbeispiel weiterspinnt, so stellt sich bei der Frage nach den hinter dem Wunsch nach der Apfelsine stehenden Interessen heraus, dass die eine Schwester Orangenschale für den Kuchen braucht und die andere Orangensaft trinken will. Es zeigt sich durch die Aufspaltung des Streitgegenstands Orange in die Bestandteile Fruchtfleisch und Schale, dass es sich nicht um einen Verteilungskonflikt handelt, es ist ein Scheinkonflikt. So schön geht das leider in der Realität meist nicht ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK