Was sicht, reimt ist immer gut – Das Russenpuff-Urteil

von Stefan Maier

Die Klägerin war beim Beklagten als Aufsicht in dessen Spielhalle beschäftigt. Als der Beklagte von Kunden erfuhr, dass sich seine Aufsichtsdame während der Arbeitszeit in der Spielhalle selbst befriedigte, sprach er die Kündigung aus. Zum Schutze des Rufes der Klägerin, wurde in der Kündigung das Masturbieren als Grund jedoch nicht genannt. Als die Klägerin sich gerichtlich wehrte, sprach der Spielhallenbetreiber dort den wahren Grund der Kündigung aus. Wegen dieser Bloßstellung klagte die Frau auf Schmerzensgeld und Unterlassung.

Die poetische Entscheidung des Arbeitsgerichts Detmold beweist, dass Recht nicht so trocken sein muss, wie sein Ruf.

Tatbestand
Der Streit entstand, weil der Beklagte
im Rechtsstreit vorzutragen wagte,
was nun der Klägerin sehr missfällt.
Sie fordert deshalb Schmerzensgeld.
Dass der Beklagte schweigen soll
verlangt sie ferner voller Groll.
Was ist der Grund für ihre Klage?
Nun, der Beklagte hat in [...]
einst einen Spielbetrieb besessen.
Die Klägerin ihrerseits indessen
erhielt – als Aufsicht eingesetzt –
für diese Tätigkeit zuletzt
als Stundenlohn, wie man das kennt
nur sieben Euro und 11 Cent.
Oft kamen dorthin manche Kunden
erst in den späten Abendstunden,
um sich – vielleicht vom Tagesstress
beim Spielen auszuruh’n. Indes
behauptet nunmehr der Beklagte,
dass es die Klägerin dann wagte,
so neben ihren Aufsichtspflichten
noch andere Dinge zu verrichten:
so habe sie sich nicht geniert
und auf dem Hocker masturbiert.
Was dabei auf den Hocker troff
befände sich im Hockerstoff.
Die Spielbar sei aus diesem Grunde
als „Russenpuff“ in aller Munde.
Er habe zwar nun dies Geschehen
nicht selbst vor Ort mitangesehen.
Doch hätten Zeugen ihm beschrieben,
was dort die Klägerin getrieben ...

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