Richterin: “Ich bin dann mal weg”

von Thomas Wings

In einem etwas merkwürdigen Fall wurde dem Mandanten Fahren unter Alkoholeinfluß sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis vorgeworfen. In der ebenfalls etwas merkwürdigen Hauptverhandlung stritten wird uns vor allem um die rechtliche Frage, ob tatsächlich ein Fahren ohne Fahrerlaubnis vorliegt. Man konnte letztlich für beide Auffassungen ganz gute Argumente finden, die wir uns einander vorhielten – also die Richterin und ich. Der Staatsanwalt kannte wie üblich die Tiefen des Falles nicht und hielt sich weitestgehend aus der Diskussion heraus. Wenn er nach seiner Meinung gefragt wurde, flankierte er reflexartig ohne weitere Argumente die Auffassung der Richterin. Irgendwie immer das selbe.

Irgendwann hatte die Richterin keine Lust mehr und unterbrach die Diskussion, weil noch andere Verhandlungen anstünden und wir “jetzt hier nicht alles ausdiskutieren” müssten. Ich entgegnete zu denken, dass Hauptverhandlungen doch genau dazu da sind. Aber gut – jedenfalls gelang es noch in letzter Sekunde, wenigstens die Stimmung dafür zu ebnen, dass dem Mandanten die Fahrerlaubnis nicht entzogen wurde. Seit rund sechs Monaten war sein Führerschein schon wegen des Vorwurfs beschlagnahmt. Entzug der Fahrerlaubnis würde bedeuten, dass der Führerschein nicht mehr existiert ...

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