Rezension Öffentliches Recht: Religion und Politik in der Geschichte des Rechts

von Dr. Benjamin Krenberger

Jansen / Oestmann (Hrsg.), Rechtsgeschichte Heute. Religion und Politik in der Geschichte des Rechts - Schlaglichter einer Ringvorlesung, 1. Auflage, Mohr Siebeck, 2014


Von Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard), Frankfurt am Main



Das Verhältnis von Politik, Recht als sozial stabilisierter Politik, und Religion ist ein historisch gespanntes, das noch in die Tiefenschichten und Verästelungen heutiger Gesellschaften Wirkung zeitigt. Ist Heilige Stuhl (oder die katholische Kirche) verantwortlich für Verbrechen von Priestern an Kindern? Dürfen Staaten Kopftücher verbieten? Welche Grenzen sind Sekten zu setzen? Diese Frage sind in ihrer Details aktuell, aber der ihnen zugrunde liegende Prozess des Ringens um die Vorherrschaft zwischen Religion und Politik (und Recht) in den Köpfen und Kirchen (und auf den Straßen) wird in Jahrhunderten, nicht in Jahren gemessen.


Das macht Rechtgeschichte Heute – ein anregend widersprüchlicher Titel – so aktuell. Nils Jansen und Peter Oestmann, Professoren vom Institut für Rechtsgeschichte der Universität Münster, haben zehn Beiträge namhafter Forscherinnen und Forscher versammelt, die in einer Gesamtschau eine Phänomenologie dessen erstellen, was man, Stephen Jay Gould variierend, overlapping magisteria nennen könnte. Denn Religion und Politik waren in Vormoderne wie Moderne, das zeigen uns die Beiträge deutlich, sehr eng verknüpft, ja: beeinflussten die gegenseitigen Diskurse.


Die zehn Beiträge – epochenübergreifende ausgewählte „Tiefbohrungen“, wie die Herausgeber bildkräftig schreiben (VIII) – gehen zurück auf eine Ringvorlesung aus 2012, die im Rahmen des Münsteraner Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ organisiert wurde ...

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