Für das, was Sie erlebt haben, fehlen einem die Worte

von Mirko Laudon

„Wir können mit diesem Urteil nur das Recht wiederherstellen, nicht aber die Gerechtigkeit. […] Für das, was Sie erlebt haben, fehlen einem die Worte. Wir fühlen mit ihnen.“

Nur äußerst selten hört man vor Gericht eine Entschuldigung von der Richterbank. Gestern aber hallten diese Worte durch einen Gerichtssaal im Landgericht Essen. Verhandelt wurde dort das Wiederaufnahmeverfahren zugunsten Thomas E., der 2002 wegen zweifacher Vergewaltigung zu sechs Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Zwölf Jahre ist die Verurteilung nun her – die Strafe hat er bis auf den letzten Tag verbüßt – bis er gestern von dem Vorwurf der Vergewaltigung an seiner Ex-Freundin freigesprochen wurde.

Zweifache Vergewaltigung war nur erfunden

Im Jahr 2001 hatte seine frühere Lebensgefährtin ihn nach einer langen Beziehung, aus der eine gemeinsame Tochter hervorging, angezeigt und der zweifachen Vergewaltigung 1997 und 2001 beschuldigt. Inzwischen lebte sie allerdings in einer neuen Beziehung, die durch den Vater der Tochter belastet worden sei, da dieser den neuen Freund beschuldigte, die Tochter zu schlagen. Der neue Freund sei dann auf die Idee mit der erfundenen Vergewaltigung gekommen, um den Vater des Kindes loszuwerden.

Auch schon im Ausgangsverfahren vor dem Landgericht Dortmund hab es Anzeichen für eine Falschbeschuldigung. Das vermeintliche Opfer konnte sich nicht erinnern, wann die Taten 1997 genau passiert sein sollen. Doch ein Glaubwürdigkeitsgutachten lehnte die Kammer ab und führte dazu später im Urteil aus:

„Die Unsicherheit über die zeitliche Reihenfolge hält die Kammer nicht für ein Bedenken gegen die Richtigkeit der Aussage. Hätte nämlich die Zeugin eine erfundene Geschichte mitteilen wollen, hätte sie sich auch in zeitlicher Hinsicht festgelegt […] Das abwägige Verhalten der Aussage, sie wisse es nicht genau, spricht für ihre Wahrheitsliebe ...

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