Wann kann einem Täter vorgeworfen werden, dass er bei Begehung der Tat mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt hat?

von Bernd Rösch

Bedingter Tötungsvorsatz ist gegeben, wenn

  • der Täter den Tod als mögliche, nicht ganz fern liegende Folge seines Handelns erkennt (Wissenselement) und
  • dies billigt oder sich um des erstrebten Zieles willen zumindest mit dem Eintritt des Todes abfindet (Willenselement).


Beide dieser Elemente des bedingten Vorsatzes, sowohl das Wissens-, als auch das Willenselement, müssen bei dem Täter bei der Tatbegehung vorgelegen haben und das Vorliegen muss durch tatsächliche Feststellungen belegt sein.

Kein bedingter Tötungsvorsatz kann einem Täter demzufolge vorgeworfen werden, der

  • bei seiner Handlung die Gefahr der Tötung nicht erkannt oder
  • jedenfalls darauf vertraut hat und auch darauf vertrauen konnte, dass ein solcher Erfolg nicht eintreten wird (BGH, Beschlüsse vom 08.05.2008 – 3 StR 142/08 – und vom 22.04.2009 – 5 StR 88/09 –; BGH, Urteile vom 25.03.2010 – 4 StR 594/09 – und vom 22.03.2012 –4 StR 558/11 –).


Die Beurteilung ob bedingter Tötungsvorsatz vorlag oder nicht kann nur auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung aller objektiven und subjektiven Umstände des Einzelfalles erfolgen (vgl. BGH, Beschluss vom 09.10.2013 – 4 StR 364/13 –; Urteil vom 22.03.2012 – 4 StR 558/11 –), in welche insbesondere

  • die objektive Gefährlichkeit der Tathandlung,
  • die konkrete Angriffsweise des Täters,
  • seine psychische Verfassung bei der Tatbegehung und
  • seine Motivationslage


einzubeziehen ist (vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2013 – 3 StR 45/13 –).

Im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtschau stellt die auf der Grundlage der dem Täter bekannten Umstände zu bestimmende objektive Gefährlichkeit der Tathandlung einen wesentlichen Indikator sowohl für das kognitive, als auch für das voluntative Vorsatzelement dar (vgl. BGH, Beschluss vom 09.10.2013 – 4 StR 364/13 –; Urteile vom 16.05.2013 – 3 StR 45/13 – und vom 23.02 ...

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