Ein doppeltes Plädoyer für internationale Öffnung und stärker vernetzte Interdisziplinarität

Der Wissenschaftsrat ruft in seinem Gutachten zu den “Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland” dazu auf, die Rechtswissenschaft sowohl international als auch mit Blick auf die Nachbarwissenschaften zu öffnen. Beide Forderungen verdienen dann Unterstützung, wenn sie als Weiterentwicklung, nicht als revolutionäre Forderung zum Umsturz des bestehenden Systems verstanden werden.

I. Hauptthesen des Gutachtens

Die beiden Kernthesen des Gutachtens des Wissenschaftsrats zu den “Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland” gelten für Forschung und Lehre zugleich:

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Rechtswissenschaften durch die „enge Theorie-Praxis-Verklammerung“ geprägt sind („Professionsfakultäten“) (S. 5 und 7), und getragen von einem positiven Grundtenor dahingehend, dass diese Verklammerung in Studium und Forschung auch grds. gut gelingt, trägt der Wissenschaftsrat ein Hauptpetitum vor und benennt er einen Hauptgrund dafür, dass die Rechtswissenschaft derzeit auf „beträchtliche Veränderungen ihres Gegenstandes“ zu reagieren habe: Hauptpetitum ist „die Stärkung der Grundlagenfächer, die Intensivierung des interdisziplinären wie disziplinären Austausches und eine Öffnung der Rechtswissenschaft in die Universität wie in das Wissenschaftssystem.“ (S. 7, näher S. 40 f.). Als Hauptgrund für beträchtliche Veränderungen im Gegenstand führt der Wissenschaftsrat „Prozesse der Europäisierung und Internationalisierung [an] sowie … weitere [unbenannte] Strukturveränderungen des Rechts.“ (S. 5, etwas breiter S. 7). Institutionell mahnt der Rat eine stärkere Ausdifferenzierung an – vor allem eine größere Präsenz von Frauen, von ausländischen Lehrenden und eine Auffächerung der curricula.

Beide Hauptstoßrichtungen überzeugen in hohem Maße, wenn sie als Anregung zur Fortentwicklung verstanden werden und nicht als Absage an die bisherige Grundanlage ...

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