Beweisschwierigkeiten bei Infektionen

Das Oberlandesgericht Hamm entschied in einem aktuellen Urteil (Urteil vom 11.04.2014, Az: 26 U 166/13), dass ein Patient, der aufgrund einer Infektion seines Kniegelenks mehrfach operiert werden musste, keinen Schadensersatzanspruch gegen die erstbehandelnde Ärztin hat. Es konnte nicht festgestellt werden, dass die Infektion auf die von der Ärztin durchgeführten Punktion zurückzuführen ist.

Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass die behandelnde Ärztin die Punktion unter sterilen Bedingungen vorgenommen hat. Zudem benannte der Sachverständige weitere Infektionswege wie einen vorangegangen Sturz oder auch die bereits bestehende Schleimbeutelentzündung als mögliche Ursache der Infektion; Umstände, die es dem Patienten unmöglich machten, die Infektion auf die Behandlung bei der Ärztin durch Punktion zurückzuführen.

Corinna Simon, Fachanwältin für Medizinrecht

Das Urteil bestätigt ein weiteres Mal, dass es für Patienten sehr schwierig ist, Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche aufgrund von Infektionen durchzusetzen.
Eine Haftung kommt nämlich nur dann in Betracht, wenn der Patient den Vollbeweis dafür erbringt, dass die Infektion während der Behandlung beim Arzt oder des stationären Aufenthalts im Krankenhaus in einem sogenannten vollbeherrschbaren Bereich entstanden ist. Einfacher ausgedrückt heißt das, der Patient muss u.a. beweisen, dass die Infektion durch Nichtbeachtung der Hygienevorschriften entstanden ist. Diesen Beweis kann er aber kaum führen. Auch der Keimträger selbst kann nur schwer bis gar nicht identifiziert werden ...Zum vollständigen Artikel


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