Kognitive Dissonanz und Beißverhalten

von Christoph Nebgen

Strafverteidiger kennen die Situation: In der mündlichen Hauptverhandlung sagt ein Entlastungszeuge für den eigenen Mandanten aus und keiner will davon Notiz nehmen. Während die entlastende Aussage gerade die gesamte Anklage ins Wanken bringt, schaut der Staatsanwalt nur angestrengt aus dem Fenster und der Vorsitzende Richter beginnt, imaginäre Staubkörner von seiner Robe zu sammeln. Später findet sich im Urteil von der entlastenden Aussage kein Wort.

Hier ist etwas im Spiel, dass die Sozialpsychologie "Vermeidung der kognitiven Dissonanz" nennt. Der Begriff wurde von dem Psychologen Leon Festinger geprägt und bezeichnet grob gesagt die menschliche Neigung, all diejenigen Umstände zu ignorieren, die den eigenen Überzeugungen zuwiderlaufen. Deshalb hören Richter und Staatsanwälte häufig gar nicht hin, wenn ein Entlastungszeuge spricht. Denn sie haben sich ja längst eine Überzeugung gebildet, und die möge die Verteidigung mit ihren lästigen Entlastungszeugen bitte nicht in Frage stellen ...Zum vollständigen Artikel


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