WAP: Auferstehung dank kostenpflichtigen Gewinnspielen

von Martin Steiger

Wer kennt noch das Wireless Application Protocol (WAP)? Bei Gewinnspielen im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) wie in diesen Tagen anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 können Zuschauerinnen und Zuschauer über eine kostenpflichtige «Business»-Telefonnummer oder – wieder einmal – kostenlos via WAP teilnehmen …

Hintergrund ist die Lotteriegesetzgebung, denn diese verbietet Gewinnspiele, bei denen eine Teilnahme nur «nach Leistung eines Einsatzes» möglich ist (Art. 43 Ziff. 2 i.V.m. Art. 38 Abs. 1 LV). Die Teilnahme mittels Handy oder Smartphone und via WAP stellt eine – wenn auch umstrittene – weitere Teilnahmemöglichkeit ohne Leistung eines Einsatzes vor. Gleichzeitig ist WAP so obskur, dass die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermutlich dennoch die kostenpflichtige «Business»-Telefonnummer werden und damit dem öffentlich-rechtlichen SRF die gewünschten zusätzlichen Einnahmen verschaffen.

Im Sommer 2012 befasste ich mich anlässlich der Fussball-Europameisterschaft in einem Artikel in der «Medienwoche» mit dem Überleben von WAP beim SRF. Mein damaliges Fazit gilt heute noch:

«Das Schweizer Fernsehen erzielte nur mit der kostenpflichtigen Teilnahme an seinem UEFO Euro 2012-Gewinnspiel Einnahmen. Es ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass ein Anreiz vorlag um mit dem überholten WAP als rechtlich notwendige und einzige kostenlose Teilnahmemöglichkeit die kostenpflichtige Teilnahme zu fördern. Aus Sicht des Bundesgerichts ist diese Vermutung aber in streng wörtlicher Auslegung der Lotteriegesetzgebung nicht relevant, sondern es zählt, ob die Gewinnaussichten bei einer kostenlosen Teilnahme für Durchschnittszuschauer erkennbar gleich sind.

Diese Erkennbarkeit war beim UEFA Euro 2012-Gewinnspiel des Schweizer Fernsehens fraglich ...

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