Wanted – dead or alive: Ein Plädoyer gegen private Fahndungsaufrufe in Facebook und Co.

von Tobias Röttger

Die Polizei und Ermittlungsbehörden haben die Öffentlichkeitsfahndung über Facebook für sich entdeckt. Der gemeine Bürger will auch mitspielen. Zahlreiche private Fahndungsaufrufe fluten gerade die sozialen Netzwerke wie Facebook. Es werden fröhlich Bilder von vermeintlichen Tätern und Opfern, sowie häufig deren Namen und Wohnort veröffentlicht.

zurück ins Mittelalter

Man sollte meinen, dass im 21. Jahrhundert kein öffentlicher Pranger mehr existiert. Aber im Gegenteil, sie sprießen wie die Pilze aus dem Boden. Man fühlt sich ein ums andere Mal an die Hexenverfolgungen im Mitterlalter erinnert. Es wird ein Vorwurf in die virtuelle Runde geworfen und plötzlich befindet sich der Beschuldigte am virtuellen Pranger wieder und wird von den schaulustigen Facebook-Usern mit Ko(t)mmentaren beworfen. Manche Hetzjagden gehen so weit, dass die Schaulustigen am Ende sogar zur Lynchjustiz greifen. Schöne Zivilisation.

Bilder lügen nicht

Ein faires Verfahren – für was? Der muss es doch gewesen sein! Die Strafen sind doch eh viel zu lasch. Es wird keine Sekunde ein Gedanke darüber verschwendet, ob die Vorwürfe überhaupt haltbar sind. Auf den „Fahndungsbildern“ ist doch alles eindeutig zu erkennen. Fotomontagen und bewusst gewählte Ausschnitte, die nicht die ganze Wahrheit wiederspiegeln, gibt es doch nicht. Es wird doch nicht mit Fakes gearbeitet. Ähnlich bei der Kriegsberichterstattung – Fotos lügen nicht!

kopflose User

Mal ehrlich, haben uns das Internet und insbesondere die sozialen Netzwerke derart verblödet, dass man alles kopflos liked und teilt, ohne sich auch nur einen Gedanken über eventuelle Konsequenzen unseres Handelns zu machen?

das Internet vergisst nicht

Ist ein solcher Vorwurf erst mal im Netz, ist es unmöglich, diesen wirklich komplett raus zu bekommen ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK