Rezension Öffentliches Recht: Kanonisches Recht und europäische Rechtskultur

von Dr. Benjamin Krenberger

Helmholz, Kanonisches Recht und europäische Rechtskultur, 1. Auflage, Mohr Siebeck 2013


Von Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard), Frankfurt am Main



Hat uns das klassische kanonische Recht des 12.- bis 14. Jahrhunderts heute noch etwas zu sagen? Beeinflusst es noch unser Recht und unser Rechtsdenken? Schon 1996 bejahte Richard H. Helmholz, Kirchenrechtsexperte und Rechtshistoriker der Universität Chicago, diese Fragen emphatisch. Nun können seine Ausführungen zum Einfluss des kanonischen Rechts auf die europäische Rechtskultur auch auf Deutsch nachgelesen werden. In einer beispielhaften Analyse von 14 Rechtsbereichen erhellt Helmholz die „Natur des Gesamtsystems“ des kanonischen Rechts.


Gleich vorweg: Wer angesichts des Titel erwartet, Ausführungen nur zu Kirchenrecht zu finden, der wird enttäuscht – und zwar positiv. Wer hätte gedacht, wie klar sich der Einfluss des kanonischen Rechts auf das Grundrechtsdenken der Neuzeit nachzeichnen lässt. In Bereichen wie dem Verbot doppelter Strafverfolgung und dem Anspruch auf Hilfsbedürftigkeit sogenannter personae miserabiles war das kanonische Recht wegbereitend. Viele fortschrittliche Rechtsfragmente gingen über die Jahrhunderte verloren und mussten durch die Aufklärung wieder entdeckt werden – aber mit Helmholz kann man nun zumindest die Konturen der geistigen Vorarbeit mittelalterlich Kanonisten erahnen.


Informiert und mit beeindruckender Plastizität lässt Helmholzdie Leser an den großen Debatten des Hochmittelalters teilhaben, bezieht Stellung zu Streitfragen der Kanonistik, lässt aber auch nicht eine kritische Distanz zu kanonischen Rechtsdiskursen vermissen, die für heutige Leser nur mühsam erschlossen werden können ...

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