Fünf Gemeinplätze über rechtswissenschaftliche Blogs, und was von ihnen zu halten ist: Teil 2

von Maximilian Steinbeis

Zum ersten Teil dieses Blogposts hier…

3. Blogs sind der Triumph der halbinformierten Masse über die professionelle Spezialistenelite

Dieser Punkt kam in Paris nur am Rande vor, was bei einer Tagung der bloggenden professionellen Spezialistenelite Frankreichs vielleicht nicht überrascht. Trotzdem begegne ich diesem Vorurteil immer wieder. Woher es kommt, ist ebenfalls leicht zu erklären: Jeder Dödel kann ein WordPress-Blog einrichten und sofort loslegen, das ist ja das schöne daran. Dazu kommt der im Zusammenhang mit Blogs und Internet etc. populäre Mythos, dass 50.000 Dödel mehr an intellektueller Wertschöpfung produzieren als der tollste Spezialist, was mal mehr für sich hat und mal weniger, jedenfalls aber dazu beitragen mag, dass Bloggen und Dödeltum vielen irgendwie inhärent verbunden erscheinen.

Ich will gar nicht leugnen, dass da etwas dran ist. Wenn der Maßstab des Erfolgs die öffentliche Resonanz ist, die man erzeugt, dann kann man zweifellos sehr erfolgreich bloggen, ohne allzu viel Ahnung haben zu müssen von dem, worüber man schreibt. Ein Blogpost läuft um so besser, je steiler seine These ist, und langes Nachdenken ist steilen Thesen oft nicht zuträglich. Wer sich darauf versteht, über all die lästigen Differenzierungen, die Spezialisten für nötig halten, durch geschicktes Metaphorisieren und andere rhetorische Tricks hinwegzubügeln und obendrein ein gewisses Maß an schierer polemischer Unverschämtheit mitbringt, dem steht beim Anstieg zum Gipfel des Bloggerruhms nichts im Wege.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Ich habe in meiner journalistischen Karriere unzählige juristische Expertentexte redigiert und dabei immer wieder festgestellt, dass Differenziertheit zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung ist für einen guten Text ...

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