Wenig hilfreiche Vorschläge zur Reform des juristischen Studiums

von Benedikt Meyer

Foto: Manfred Sauke / wikimedia.org

„Eine inhaltliche Reform” des juristischen Studiums fordert die Dekanin der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Ute Mager, in einem Interview in der aktuellen ZEIT (online hier). Wer jetzt – wie ich – denkt, dass es um eine dringend notwendige Überarbeitung der Studieninhalte geht, freut sich allerdings zu früh.

Frau Mager möchte nämlich vor allem das Schwerpunktstudium wieder abschaffen. Das ist sicher unterstützenswert – die Schwächen des Schwerpunktstudiums sind bekannt und sollen hier noch einmal wiederholt werden. Darin erschöpft sich Frau Magers Reformeifer aber auch schon. Und das ist m.E. typisch für Vorschläge zur Reform des juristischen Studiums, vor allem wenn sie – wie meistens – aus dem universitären Bereich kommen: Sie gehen am eigentlichen Kern des Problems vorbei und erschöpfen sich in kosmetischen Änderungen.

Das große Defizit des juristischen Studiums wird dabei völlig ausgeblendet: Dass nämlich das juristische Studium viel zu wenig auf die Vermittlung juristischer Grundlagen und das Erlernen von Strukturwissen ausgerichtet ist. Statt juristischer Grundlagen und juristischem Handwerkszeug wird viel zu häufig vollkommen irrelevantes Detailwissen gelehrt, werden überholte oder kaum relevante Streitstände und die dazu vertretenen „Professorenmeinungen” (natürlich die jeweiligen Argumente) gelehrt, auswendiggelernt und dann in Klausuren heruntergebetet und von Korrektoren sogar noch honoriert. (Symptomatisch dafür ist z.B. die „20 Probleme aus dem …”-Reihe des Vahlen-Verlags.) Und bei diesem sinnlosen Auswendiglernen von “Professorenmeinungen” handelt es sich sicherlich auch nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit obergerichtlicher Rechtsprechung oder gar um wissenschaftliches Arbeiten ...

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