Warum Zeugen bei Korruption oft schweigen

von Mirko Laudon

Korruptionsstraftaten, also insbesondere Bestechlichkeit, Bestechung, Vorteilsannahme sowie Vorteilsgewährung sollen auch hierzulande keine Seltenheit sein, jedoch scheinen die Aufsehen erregenden Strafverfahren nur die Spitze des Eisberges zu sein. Antikorruptionsorganisationen wie „Transparency International“ vermuten ein großes Dunkelfeld.

Auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen

In Berlin setzt man im Kampf gegen Korruption auf ein Vier-Säulen-Modell: Eine eigenständige Abteilung in der Staatsanwaltschaft, eine Zentralstelle für Korruptionsbekämpfung der Generalstaatsanwaltschaft, eine Anti-Korruptions-Arbeitsgruppe der Senatsverwaltung für Justiz sowie ein Vertrauensanwalt sollen für Prävention und Aufklärung sorgen. Dieser Vertrauensanwalt, der von der Justizverwaltung beauftragt wurde, nimmt seit Ende 2011 Hinweise auf entsprechende Verdachtsfälle entgegen – entweder per E-Mail, Post, Telefon oder persönlich. Dabei unterliegt er in Bezug auf die Identität der Hinweisgeber der Schweigepflicht. Allerdings sei man nun mal auf Hinweise von Zeugen angewiesen, die häufig jedoch Nachteile befürchteten und sich daher nicht melden. Dies scheint das Hauptproblem zu sein, warum viele Fälle unentdeckt blieben, meint Rüdiger Reiff, der Leitende Oberstaatsanwalt der Zentralstelle Korruptionsbekämpfung bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin:

Im Gegensatz zu anderen Delikten des Strafgesetzbuchs gibt es im Bereich der Korruption keine Opfer, die Interesse an einer Anzeige hätten, sondern nur Täter. Der Bestecher, der gibt und der Bestochene, der nimmt ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK