Die goldenen Regeln der allgemeinen Vernehmungslehre

von Mirko Laudon

In der letzten Woche war von den acht goldenen Regeln der allgemeinen Vernehmungslehre zu lesen. Die Grundlage dafür bildete das Standardwerk von Bender/Nack/Treuer1, doch waren die Prinzipien sehr allgemein gehalten und eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Kontakt, Freundlichkeit, Interesse, Lob, Selbsteröffnung, Geduld, Verständlichkeit und Kompetenz.

Wichtige Grundregeln der allgemeinen Vernehmungslehre vor Gericht fehlten allerdings, die im Folgenden hier aufgezeigt und kurz erläutert werden sollen. Soweit ich weiß, sind die in keinem Buch zusammenhängend so zu finden und mir u.a. im Rahmen meiner praktischen Ausbildung vermittelt worden. Bei der Auswahl mehrerer Wahlverteidiger sollte beachtet werden, dass ein Vernehmungsspezialist darunter ist, der die Grundsätze der Vernehmungslehre beherrscht und über ausreichend praktische Erfahrungen im jeweiligen Deliktsbereich verfügt.

Grundregeln der allgemeinen Vernehmungslehre

Bekannt ist, dass Fragen (nicht nur vor Gericht) jeweils besser oder schlechter formuliert werden können. In der Hauptverhandlung kann das häufig dazu führen, dass bestimmte Fragen unzulässig sind, die es zu erkennen und – unter Umständen – auch zu beanstanden gilt, etwa

  • bestimmte Wahrnehmungen suggerieren: „Haben Sie gerochen, dass er betrunken war?“
  • bisher Unbewiesenes unterstellen: „Sie haben bei der Polizei gesagt, …“
  • dem Zeugen Fehlverhalten unterstellen: „Und anstatt ihr zu helfen, haben Sie …?“
  • unbegründetes Misstrauen entgegenbringen: „Können Sie sicher ausschließen, dass …?“
  • eigene Rückschlüsse des Zeugen einfordern: „Meinen Sie, dass der Angeklagte …?“

Die Zeugenvernehmung aus der Perspektive des Richters // Foto: Wikipedia/ACBahn (CC BY 3.0) – bearbeitet

Für die eigene Befragung von Zeugen gilt, dass diese nur sehr begrenzt planbar ist – erforderlich sind vielmehr Flexibilität und Spontanietät ...

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