Schutzwürdigkeit familiärer Bindungen zu im Haushalt lebenden erwachsenen Kindern

Nach § 36 Abs. 2 AufenthG kann Familienangehörigen eines Ausländers zum Familiennachzug eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn es zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte erforderlich ist. Auf die Sicherung des Lebensunterhalts kann gemäß §§ 36 Abs. 2 Satz 2, 30 Abs. 3, 5 Abs. 1 Satz 1 AufenthG verzichtet werden. Mit der Anknüpfung an eine außergewöhnliche Härte ist der Nachzug auf seltene Ausnahmefälle beschränkt, in denen die Verweigerung des Aufenthaltsrechts und damit der Familieneinheit im Lichte des Art. 6 Abs. 1 und 2 GG, Art. 8 EMRK grundlegenden Gerechtigkeitsvorstellungen widerspräche, also schlechthin unvertretbar wäre.

Eine außergewöhnliche Härte in diesem Sinne setzt grundsätzlich voraus, dass der schutzbedürftige Familienangehörige ein eigenständiges Leben nicht führen kann, sondern auf die Gewährung familiärer Lebenshilfe dringend angewiesen ist, und dass diese Hilfe in zumutbarer Weise nur in Deutschland erbracht werden kann1.

Eine außergewöhnliche Härte in diesem Sinne hat die Antragstellerin im vorliegenden Fall nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Hamburg nicht glaubhaft gemacht: Als schutzbedürftig kommt insoweit allein der Sohn der Antragstellerin in Betracht, der gerade volljährig geworden ist, noch die Schule besucht, mit der Antragstellerin wohl seit mehr als 10 Jahren fast durchgängig zusammen lebt und wirtschaftlich und familiär noch nicht selbstständig ist. Es ist jedoch nicht erkennbar, dass der Sohn der Antragstellerin in diesem Sinne auf die bislang von der Antragstellerin gewährte familiäre Lebenshilfe dringend angewiesen ist. Aus den vorgelegten Unterlagen ergibt sich, dass es sich bei dem Sohn der Antragstellerin um einen körperlich und seelisch normal entwickelten jungen Erwachsenen handelt. Rechtlich ist er seit Eintritt der Volljährigkeit nicht mehr auf Lebenshilfe angewiesen. Wirtschaftlich erbringt die Antragstellerin für den Sohn keine Lebenshilfe ...

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