Sonia Sotomayors geliebte Welt – und das, was wir von unseren Verfassungsrichter/innen erwarten können

von Alice Bertram
Selbstdisziplin im Rampenlicht

Kurz nachdem im Alter von fünf Jahren Diabetes bei Sonia Sotomayor festgestellt wird, ist sie zu Hause Zeuge eines heftigen Streits ihrer Eltern. An lautstarke Auseinandersetzungen ist sie zwar gewöhnt, aber diesmal ist es etwas anderes, weil sie selbst Anlass der Auseinandersetzung ist. Keiner der Eltern kann sich überwinden, der kleinen Sonia die Insulinspritzen zu verabreichen. Um dem familiären Zwist ein Ende zu bereiten, beschließt sie, es einfach selbst zu tun. Das Spritzen, aber auch das lange Warten, bis die Spritze ausgekocht und wieder abgekühlt sind, werden für Sonja Sotomayor zur Schule einer Disziplin, die sie von da an begleitet bis in das Amt einer Verfassungsrichterin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Diese Geschichte persönlicher Selbstüberwindung erzählt Sonia Sotomayor in ihrer Autobiographie „Meine geliebte Welt“, die sie unlängst im vollbesetzten Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin vorstellte. Im Gespräch mit Patrick Bahners (FAZ) erläutert Sonia Sotomayor den Sinn der autobiographischen Schlüsselszene: Disziplin sei eine hohe, vielleicht die höchste Tugend. Sie schätze sie sehr an sich selbst. Und das sei gut, denn nur, wer sich selbst mag, könne glücklich sein.

Eine so persönliche Aussage war nicht Ausnahme, sondern Regel bei der Buchpräsentation von Sonia Sotomayor. Die erste Latina am Supreme Court präsentiert nicht ihr Amt, sondern ihre Person – mit dem Anspruch, Vorbild und Wegbereiterin zu sein. Vor allem aber erzählt sie eine gute Geschichte, in farbigen Bildern zwischen velada, der Geisterbeschwörung bei ihrer Großmutter, zu der sie sich heimlich als Kind schlich, und der Einsamkeit, nachdem sie ihr Umfeld in spanischsprachigen Gemeinschaft in der Bronx verlassen hatte und sich zunächst ganz allein in der fremden Welt der Ivy League zurechtfinden musste.

Die Person im Amt

Doch harte Arbeit allein führt nicht notwendig zum Erfolg ...

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