Tattoo-Selfies – Trend, der zu urheberrechtlichen Sanktionen führt?

von Katharina Schall

Frisch aus dem Tattoo-Studio ist es für viele glückliche neue Tattoo-Inhaber der nächste Schritt,ihre Errungenschaft der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was bietet sich da besser an als ein Tattoo-Selfie auf einer Social-Media Plattform? Unter einem Tattoo-Selfie ist dabei ein Selbstportrait zu verstehen, das typischerweise mit einem Smartphone oder einer Webcam von eigener Hand aufgenommen wird und auf soziale Netzwerke hochgeladen wird, wobei das Tattoo im Vordergrund steht. Ob das urheberrechtlich zulässig ist, ist aber leider gar nicht so klar.

Zunächst ist zu klären, ob eine Tätowierung überhaupt ein urheberrechtlich geschütztes Werk darstellt. Hierfür müsste insbesondere eine persönliche geistige Schöpfung zu bejahen sein, § 2 I, II UrhG. Soweit es sich nur um sog. Simplicissima, d.h. Darstellungen von einfachster Machart handelt, womit alle Arten von gängigen Zeichen, Buchstaben, Zahlen oder Zusammensetzungen derselben gemeint sind, liegt keine hinreichende Schöpfungshöhe vor. Das Verwenden der immer gleichen Struktur- oder Bildschablone erreicht wohl auch nicht die erforderliche Schöpfungshöhe. Ebenso wenig sind Tattoos gemeinfreier Werke urheberrechtlich geschützt. Handelt es sich aber um ein Werk, das von der persönlichen Phantasie des Tätowierers geprägt ist, ist eine persönliche geistige Schöpfung zu bejahen. In diesem Fall ist der Tätowierer Inhaber der ausschließlichen Nutzungsrechte an seinem Werk. Jedoch ist vor dem Hintergrund des allgemeinen Persönlichkeitsrechts trotzdem nicht jedwede Veröffentlichung von Fotografien mit dem Tattoo im Internet verboten. Steht der Tätowierte im Vordergrund, wird dem Persönlichkeitsrecht des Tätowierten ein höherer Wert beizumessen zu sein. Bei Nahaufnahmen könnte man eine konkludente Einräumung der entsprechenden Nutzungsrechte annehmen. Problematisch ist aber, wie weit diese Einräumung der Nutzungsrechte geht. Dies kann jedoch offenstehen, wenn gesetzliche Zugriffsrechte greifen ...

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