Aus dem Leben der Anderen - Wie sehr darf eine Romanfigur realen Personen gleichen?

von Sebastian Dramburg

„Das Leben schreibt die besten Geschichten“ - wenn man sich als Autor diesen Leitsatz zum Grundsatz seiner Arbeit macht, stößt man bald auf die Frage, inwieweit man tatsächlich reale Personen und Geschehnisse in einem Roman verwenden darf, ohne mit rechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen.

Die geschützten Grundrechte

Im „Ernstfall“ stehen sich besonders zwei Grundrechte gegenüber, die gegeneinander abgewogen werden müssen:

Die Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG) schützt die Kunst, ihren Werkbereich (Schöpfung des Werkes) und ihren Wirkbereich (die Verbreitung dessen). Geschützt ist sowohl der Künstler, als auch derjenige, der als Mittlerfunktion zwischen Künstler und Publikum steht (z.B. Verleger etc.).

Demgegenüber steht das Allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 GG. Es ist ein ungeschriebenes Grundrecht und wurde aus der allgemeinen Handlungsfreiheit entwickelt. Es schützt das Datenschutzrecht, das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf Selbstbewahrung und eben auch das Recht auf Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit. Je stärker in die Sphäre des menschlichen Lebensbereiches eingegriffen wird, umso Stärker müssen die Rechtfertigungsgründe sein. Die verschiedenen Sphären sind: Die Sozialsphäre (der Bereich, der das private Leben umgibt, also unsere selbstgewählte Öffentlichkeit), die Privatsphäre (die Lebensgestaltung des Menschen, die bewusst nicht öffentlich sein soll) und die Intimsphäre des Menschen (die Gedanken, die Sexualität, die Gefühle). Sobald in die Intimsphäre des Menschen eingegriffen wird, ist keine Rechtfertigung mehr möglich, denn sie ist unantastbar.

Fiktion des literarischen Werkes

Da das Grundrecht der Kunstfreiheit für die persönliche Entfaltung des Menschen unerlässlich ist, kommt ihm sehr viel Gewicht zu. Deshalb wird dem betreffenden literarischen Werk grundsätzlich eine Fiktion unterstellt ...

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