Der Enkeltrick: diffuse Zuständigkeiten, defizitäre polizeiliche Ressourcen, mangelhafte rechtliche Rahmenbedingungen und unkooperative polnische Behörden

von Rainer Pohlen

Das war eine recht ansehnliche Großaktion der deutschen und polnischen Polizei, die am vergangenen Dienstag zu zahlreichen Wohnungsdurchsuchungen und zur Vollstreckung von 14 Haftbefehlen gegen Mitglieder und Helfershelfer eines polnischen Romaclans führte, der seit Jahren mit dem sogenannten “Enkeltrick” sein Unwesen betreibt und zahlreiche mehr oder weniger hochbetagte Opfer aus Deutschland, Luxemburg und der Schweiz um beachtliche Beträge geprellt hat.

Wie bei welt.de nachzulesen ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg und die Abteilung für Organisierte Kriminalität (OK) des hamburgischen Landeskriminalamts seit 2012 gegen die Tätergruppierung, die auf recht simple Weise ältere Menschen über´s Ohr haut, indem sich telefonisch angebliche Enkel – manchmal sind es auch Neffen oder andere Verwandte – melden und eine akute finanzielle Notlage vortäuschen, in der sie dringend Hilfe bräuchten. Bisweilen wissen die Angerufenen nicht einmal, dass sie überhaupt Enkel haben, und werden mit abenteuerlichen Geschichten hiervon überzeugt.

Sobald die Opfer ihre Bereitschaft zu helfen bekunden, werden von den Anrufern, die sich im Clanjargon “Keiler” nennen sollen, sogenannte “Zwischenkeiler” angerufen, die sich dann wieder mit “Abholern” in Verbindung setzen, welche die zugesagten Geldmittel oder andere Wertgegenstände bei den hilfsbereiten vermeintlichen Großeltern abholen und nach Polen verbringen. Laut Staatsanwaltschaft soll sich der bislang ermittelte Schaden auf rund 1 Million Euro und 900.000 Schweizer Franken belaufen. Anderen Quellen zufolge ist von mehreren Millionen Euro die Rede.

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sich recht viele Opfer aus Scham darüber, wie simpel sie reingelegt wurden, gar nicht erst bei der Polizei gemeldet haben. Laut bild.de sollen mehrere Fälle bekannt sein, in denen die Opfer Selbstmord begangen haben ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK