Heimatschutz: Eine Fleißarbeit, kein Standardwerk

von Holger Schmidt

Vorstellung von “Heimatschutz” (Archiv)

Das Buch ist ein echter Aust: Mit mehr als 800 Seiten beeindruckt es durch den schieren Umfang und ist noch deutlich ausführlicher als sein „Baader-Meinhof Komplex“ zur Geschichte der „RAF“. Doch die Machart ist sehr ähnlich: Prinzipiell chronologisch, der besser Dramaturgie wegen aber mit Vor- und Rücksprüngen geschrieben, Reportage in dem berühmten süffisant-ironischen Tonfall, mit dem sich Aust im Fernsehen unter anderem im ARD-Politmagazin Panorama einen Namen machte.

Schon der Titel „Heimatschutz“ ist dafür ein gutes Beispiel: Heimatschutz, dass knüpft an den Neonazibund „Thüringer Heimatschutz“ an, der eine der Keimzellen der späteren Terror¬gruppe „NSU“ war. Aber Heimatschutz deutet zugleich die Kernthese des Buches an: Die Sicherheits-behörden, ob Polizei, Staatsanwälte oder Verfassungsschutz, haben versagt, der Heimatschutz hat nicht stattgefunden. Allenfalls haben sich die Behörden selbst geschützt.

Wie vieles in dem Buch ist das sicher nicht falsch – aber eben auch nicht ganz richtig. Und deswegen kann „Heimatschutz“ in der vorliegenden Form eines sicher nicht werden: Ein Standardwerk.

Dazu ist es zu suggestiv und enthält zu viele, teilweise leicht vermeidbare Fehler. Es droht die Gefahr, dass Aust mit dem NSU macht, was Karl May mit dem Wilden Westen tat: Aus Aktenlage gefühlte Realität machen.

Hinzu kommt, dass das Buch unsauber mit Quellen umgeht: Die Autoren erklären im Anhang, dass sie sich auf fast einhundert Einzelinterviews und Akten aus den Strafverfahren sowie der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse stützen. Doch eine Differenzierung findet kaum statt: Das Buch wimmelt vor wörtlichen Zitaten, die wie recherchierte Interviews wirken, aber aus amtlichen Protokollen stammen. Fußnoten – die es grundsätzlich Zuhauf gibt – hätten das klarstellen können ...

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