NSU-Nebenkläger streiten, wer naiv ist

von Holger Schmidt

Angeklagter André E. im “NSU-Prozess” (Archiv)

Schon das reguläre Programm des heutigen Tages im “NSU-Prozess” wäre spannend genug gewesen: Ein Rechtsmediziner aus Jena berichtete von der Obduktion der Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, nachdem sich diese in einem Wohnmobil in Eisenach selbst getötet hatten. Suizide, die einige Beobachter in Frage stellen und spekulieren, ob eine dritte Person beteiligt gewesen sein könnte. Die Obduktion gab dafür keine Anhaltspunkte – und auch die ersten Polizeibeamten am Tatort, deren Erscheinen das Fanal wohl ausgelöst hatte, haben nichts beobachtet, was auf eine dritte Person deuten könnte, sagte am Mittag der Polizeibeamte Frank M. in der Hauptverhandlung.

Doch der Tag am Oberlandesgericht München wurde von anderen Themen überschattet. Dabei ging es um die Kleidung von André E., dessen Auto und um die Diskussion über die weitere Strategie innerhalb der Nebenklage.

Zunächst hatte der Nebenklägeranwalt Alexander Hoffmann am Vormnittag beantragt, den schwarzen Kapuzenpulli des Angeklagten André E. zu beschlagnahmen, den dieser unter einer ebenfalls schwarzen Lederweste trug. Vorne auf dem Pulli sei eine vermummte Gestalt zu sehen, die zwei Sturmgewehre trage, erklärte Hoffmann. Dies gebe Hinweise auf die innere Gesinnung des ansonsten schweigenden Angeklagten. Zudem lege eine Internetrecherche nahe, dass unter dem Bild die Aufschrift “gas chamber” (Gaskammer) stehe – so jedenfalls sei der Pulli in einem Internetshop erhältlich.

Nach längeren Diskussionen über den Beweiswert des Pullovers, der wahrscheinlich der rechtsextremen Metall-Band “Satanic Warmaster” zuzurechnen ist, verfügte der Staatsschutzsenat, dass Fotos des Pullis gemacht und zu den Akten genommen wurden. Der Schriftzug “Gaskammer” konnte dabei nicht festgestellt werden.
Parallel dazu berichtete der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf Polizeikreise, dass dem Angeklagten André E ...

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