NSU: Klingeln für die Politikwissenschaft

von Holger Schmidt

Brandruine Zwickau Frühlingstraße (Archiv)

Wer weiß: Vielleicht wird sich demnächst ein findiger Politikwissenschaftler in Ermangelung einer guten Idee für die Abschlußarbeit auf das Thema: „Die Türklingel in der Geschichte des deutschen Terrorismus“ stürzen. Für den neudeutschen Bachelor sollt das Thema nach heutigen Maßstäben wohl mindestens reichen, vermutlich kann man mit dem Thema sogar Professor werden. Um dem Kandidaten gleich eine erste Hilfestellung zu geben: Es finden sich interessanterweise Fallbeispiele quer durch alle Phänomenbereiche des Terrorismus in Deutschland: Von der “RAF” über Al Qaida bis zum NSU. Das muß doch etwas zu bedeuten haben:

Susanne Albrecht klingelte bei ihrem väterlichen Freund Jürgen Ponto – um im Ergebnis dessen Erschießung durch ein „RAF“-Kommando einzuleiten. Der islamistische „Kofferbomber“ Yousef el-Hajdib vergaß, die Klingel im Zimmer eines Kölner Studentenheimes abzustellen, als er mit Propangas-Flaschen experimentierte und wurde später in seinem Prozess sichtbar blass, als ihn der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling damit konfrontierte („daran habe ich nicht gedacht!“). Und Beate Zschäpe erhofft sich ausgerechnet von einer Klingel Läuterung wegen des Vorwurfs, sie habe beim Inbrandsetzen des Zwickauer Hauses den Tod ihrer Nachbarin Charlotte E. (mindestens) billigend in Kauf genommen.

Über die Anträge der Verteidigung, E. zu hören und die Versuche des Senats, die hochbetagte Dame zu vernehmen, habe ich berichtet ...

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