Gerinnungsstörung trotz Anzeichen übersehen - Haftung auf EUR 580.000: OLG Hamm 21-03-2014

von Philip Christmann

Die Patientin leidet an einer Gerinnungsstörung (erworbene Faktor-VIII-Hemmkörper-Hämophilie) und der Autoimmunkrankheit „Systemischer Lupus-Eythematodes“ (SLE). Der SLE war vor der streitgegenständlichen Behandlung bereits im September 2005 in einem anderen Krankenhaus behandelt worden. Im November 2005 ließ die Versicherte im Krankenhaus der Beklagten eine Hüftgelenksoperation durchführen, bei der eine Endototalprothese implantiert wurde. Postoperativ kam es zu schweren Nachblutungen, da präoperativ von der Beklagten die Gerinnungsstörung weder diagnostiziert noch therapiert worden war. Die Versicherte musste wegen der Nachblutungen mit zahlreichen kostenintensiven Behandlungen stationär und auch intensivmedizinisch versorgt werden. Wegen der horrenden weiteren Behandlungskosten klagte die Krankenversicherung der Patientin auf Schadensersatz und bekam vor dem Landgericht Recht.

Mit der Berufung griff die Klinik die Klage nicht dem Grunde nach an. Sie wehrte sich dagegen, dass das Landgericht ein beantragtes Gutachten nicht eingeholt habe. Das Gutachten hätte jedoch ergeben, dass sämtliche Kosten im Hinblick auf die Schwierigkeiten der Behandlung der bei der Versicherten vorliegenden Hemmkörper-Hämophilie in Verbindung mit dem SLE angefallen wären. Dagegen griff sie nicht an, dass vor der durchgeführten Hüftgelenks-Operation die bei der Versicherten der Klägerin bestehende Gerinnungsstörung fehlerhaft nicht diagnostiziert und behandelt worden ist, obwohl dies nach den Ausführungen des Sachverständigen Dr. D, die von dem vom Senat ergänzend bestellten Sachverständigen Dr. U bestätigt worden sind, hätte geschehen müssen.

Das OLG Hamm gab der Krankenversicherung Recht.

Die dann im Prozess erstatteten medizinischen Sachverständigengutachten bestätigten einen groben Befunderhebungsfehler ...

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