Spielen wir ein Spiel! — Auflösung

von Dr. Johannes Kalb

Gerne löse ich das Spiel auf. Im Grunde haben Herr Hoenig und Herr Siebers schon in den Kommentaren auf eine Lösung verwiesen. Sehen Sie es mir nach, dass ich die Lösung einen Tag früher als angekündigt veröffentliche, denn so bleibt das Wochenende frei.

a) Übergabe an den Mandanten in der U-Haft
Es kommt eine Strafbarkeit wegen Abgabe von Betäubungsmitteln nach § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG in Betracht, wenn es sich bei 10 g Kokain um eine nicht geringe Menge handelt. Der maßgebliche Grenzwert für eine solche Menge ist nach der Rechtsprechung des BGH 5 g Kokainhydrochlorid, der als Wirkstoff in den 10 g hierfür enthalten sein müsste. Mangels Chemielabor in der Kanzlei haben Sie zu schätzen. Ist das Kokain von guter Qualität, die bereits bei 40 % Wirkstoffgehalt gegeben ist, befindet sich in den 10 g ein Wirkstoff von 4 g Kokainhydrochlorid, also eine geringe Menge. Daher wäre eine Übergabe an den Mandanten (nur) nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG strafbar. Dennoch eine schlechte Handlungsmöglichkeit.

b) Unverzügliche Vernichtung in der Toilette
Durch eine unverzügliche Vernichtung entfiele die Strafbarkeit wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln, § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG. Denn ein Besitz begründet sich durch den Willen, sich die Möglichkeit ungehinderter Einwirkung auf das Betäubungsmittel in Zukunft zu erhalten. Personen, die Betäubungsmittel unverzüglich vernichten, besitzen diese nicht. Durch eine Vernichtung machen Sie sich aber wohl wegen Strafvereitelung, § 258 Abs. 1 StGB, Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte, § 261 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 lit b) StGB und letztlich sicher wegen Sachbeschädigung, 303 StGB, strafbar. Ebenso eine schlechte Handlungsmöglichkeit für Sie, die Möglichkeit einer eigenen Strafbarkeit ist greifbar ...

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