Endspurt im Stalking-Verfahren um eine Kriminalhauptkommissarin – Nach 37 Verhandlungstagen marschieren wir in Richtung der Plädoyers

von Rainer Pohlen

Wenn ich richtig gezählt habe, fand am Mittwoch der 37. Verhandlungstag vor dem Landgericht Mönchengladbach in einem der skurrilsten Berufungsverfahren statt, das ich in fast 30 Jahren Strafverteidigertätigkeit erlebt habe.

Erstinstanzlich war der Mandant nach 19 Verhandlungstagen wegen Nachstellung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung, mehrerer Eigentumsdelikte zum Nachteil seiner früheren Lebensgefährtin und nicht zuletzt wegen einer im Verfahren nachgeschobenen sexuellen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 5 Monaten verurteilt worden. Einer der beiden erstinstanzlich als Verteidiger tätigen Kollegen hatte mich im Auftrag des Mandanten gebeten, doch im Berufungsverfahren die Mitverteidigung zu übernehmen. Er sei noch nie in einem Verfahren „so aufgelaufen“ wie in dieser Sache. Gericht und Staatsanwaltschaft seien in geradezu unbegreiflichem Maße einseitig gewesen und hätten der Zeugin, wohl weil sie Kripobeamtin sei, die abstrusesten Dinge geglaubt.

Ich habe etwas ungläubig dreingeschaut. So ein Verfahren müsste doch normalerweise in maximal 5 oder 6 Verhandlungstagen abzuarbeiten sein, habe ich optimistisch verkündet. Pustekuchen, wie ich heute weiß.

Wenn man all die Sonderbarkeiten des Verfahrens aufzählen will, weiß man kaum, wo man anfangen soll.

Da findet sich in der Akte beispielsweise der Vermerk eines leibhaftigen Kriminalhauptkommissars, wonach eine Staatsanwältin ihm gegenüber verlautbart habe, man solle gewisse Ermittlungserkenntnisse besser nicht zur Akte nehmen, „um der Verteidigung keine Argumentationshilfe zu liefern“ ...

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