Die Zeit spielt (fast) immer für den Angeklagten. Bewährungsstrafen im Prozess wegen Raubes mit Waffen.

von Rainer Pohlen

Justitia

Das war knapp, aber es hat gereicht. Das Jugendschöffengericht Mönchengladbach hat gestern drei Angeklagte, darunter auch mein Mandant, denen laut Anklage ein gemeinschaftlich begangener Raub mit einer (nicht ausschließbar ungeladenen) Schreckschusswaffe vorgeworfen wurde, zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die zum Tatzeitpunkt bereits deutlich volljährige weibliche Angeklagte soll das Tatopfer, einen gehbehinderten Endfünfziger, der über Jahre hinweg eine Art väterlicher Freund gewesen sein will, zur Nachtzeit mit seinem Fahrzeug auf den unbeleuchteten Teil eines Supermarktparkplatzes dirigiert haben, weil sie austreten müsse. Einem vorgefassten Tatplan folgend seien dann die beiden männlichen Angeklagten, ein Heranwachsender und der erwachsene Freund der Frau, maskiert auf das Tatopfer zugekommen und hätten dieses zu Boden geschlagen. Einer der Täter hätte eine Pistole in der Hand gehabt. Dann hätten sie dem Mann 350 Euro und eine goldene Uhr abgenommen.

Auf schweren Raub steht gem. § 250 Abs. 1 StGB für Erwachsene eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren. In minderschweren Fällen verringert sich der Strafrahmen auf 1 Jahr bis 10 Jahre. Es ging also um ganz schön viel für die Angeklagten.

Das Tatopfer ist trotz entsprechender Ladungen viermal nicht zur Hauptverhandlung erschienen. Gestern war der Mann dann endlich da. Er hat x-mal beteuert, die Wahrheit zu sagen, aber man konnte da so seine Zweifel haben. Er hat Verletzungen geschildert und im Wege der Adhäsionsklage hierfür Schmerzensgeld verlangt, die er ersichtlich nicht erlitten hat. Er sprach von 2 Pistolen, welche die Täter mitgeführt hätten, obwohl bislang immer nur von einer Waffe die Rede gewesen war. Die Angaben zur Menge des mitgeführten Geldes und zu der goldenen Uhr waren widersprüchlich, und auch ansonsten war der Zeuge kein Highlight im Gerichtssaal ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK