Ein Arzt, der bei der Behandlung eines Patienten, ohne ihn darauf hinzuweisen, nicht die Standardtherapie sondern eine Therapie der 2. Wahl anwendet, kann sich schadensersatzpflichtig machen.

von Ingo Julian Rösch

Wendet ein Arzt nicht die Therapie der 1. Wahl, den sogen. „Golden Standard“, sondern die Therapie der 2. Wahl an, so liegt darin ein Behandlungsfehler.
Verlässt der Arzt den sogen. "Golden Standard" ohne den Patienten hierauf hinzuweisen, so handelt er jedenfalls dann grob fehlerhaft, wenn der Patient bereits zur Durchführung der Therapie der 1. Wahl entschlossen war. Ein solches ärztliches Verhalten ist unverständlich und nicht mehr nachvollziehbar.

Das hat der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm mit Urteil vom 25.02.2014 – 26 U 157/12 – entschieden und einen Hautarzt zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro verurteilt, weil er bei einem Patienten eine Hautkrebserkrankung, ein Basalzellkarzinom an der rechten Wange, mit einer fotodynamischen Therapie und nicht chirurgisch behandelt und den Patienten nicht ordnungsgemäß über die alternative chirurgische Behandlungsmethode aufgeklärt hat.

In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall hatte der beklagte Hautarzt im Jahre 2005 bei dem seinerzeit 73 Jahre alten klagenden Patienten ein Basalzellkarzinom an der rechten Wange diagnostiziert.
Auf Anraten des Beklagten entschied sich der auch zu einer Operation bereite Kläger für eine fotodynamische Therapie, die im November 2005 durchgeführt wurde.
Im Jahre 2008 trat die Krebserkrankung erneut auf und musste in den folgenden Jahren mehrfach operativ behandelt werden.
Mit der Begründung, der Beklagte habe ihn im Jahre 2005 fehlerhaft mit einer fotodynamischen Therapie behandelt und nicht ausreichend über Behandlungsalternativen zur fotodynamischen Therapie aufgeklärt, hat der Kläger Schadensersatz verlangt, u.a. ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro.

Der 26 ...

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