Märchenhafter Markenstreit: Rotkäppchen und der böse Wolf aus Alicante

Märchen kommen ja bekanntlich nicht völlig ohne Grausamkeiten aus. Erträglich wird dies aber regelmäßig durch das Wissen, dass am Ende alles seine gerechte Ordnung wiederfindet, die Bösen bestraft werden und die Guten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage leben. Im echten Leben ist dem nicht immer so. Dies zeigt die Entscheidung des Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt (HABM) zur Frage der Verwechslungsgefahr der Marken „Rotkäppchen“ und „Red Riding Hood“ (Widerspruchsentscheidung vom 27. März 2014, Az.: B 2 177 817).

Ein spanischer Markenanmelder hatte vor dem Gemeinschaftsmarkenamt in Alicante die Gemeinschaftsmarkenanmeldung „Red Riding Hood“, CTM 11 299 831, für Waren der Klasse 33 (also auch für alkoholische Getränke) angemeldet. Hiergegen hatte die deutsche Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm aus mehren ihrer „Rotkäppchen“-Marken Widerspruch eingelegt. Auch diese Marken sind für alkoholische Getränke in Klasse 33 geschützt.

„R“ wie „rot“ und „red“

Die Widerspruchsabteilung des HABM ließ sich durch so viel Märchenhaftes nicht beirren: Bei einem Vergleich der Zeichen „Rotkäppchen“ und „Red Riding Hood“ sah das HABM lediglich hinsichtlich des Anfangsbuchstabens „R“ eine Übereinstimmung. Darüber hinaus seien die Zeichen visuell und klanglich unähnlich.

Hinsichtlich der begrifflichen Ähnlichkeit der Zeichen stellte das HABM zutreffend fest, dass „Red Riding Hood“ die englische Übersetzung von „Rotkäppchen“ sei. Nachdem allerdings die englischsprachigen Verbraucher das Wort „Rotkäppchen“ nicht als Übersetzung von „Red Riding Hood“ verstünden und umgekehrt dasselbe für die deutschsprachigen Verbraucher gelte, seien die Zeichen „Rotkäppchen“ und „Red Riding Hood“ begrifflich unterschiedlich ...

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