ich bin ein Abzocker

von Rainer Göhle
auch ich. Zocke den Staat ab. Mit der Vertretung von Hartz-IV-Empfängern. Ich vertrete die Leistungsempfänger in Widerspruchsverfahren und Klagen und kassiere dafür gigantische Gebühren. Einfach ist die Vertretung und lukrativ. Nur weil die eine winzige Kleinigkeit falsch machen.

So zu lesen bei Joachim Wagner, für dessen neues Buch ich hiermit vermutlich dummerweise auch noch Werbung mache. Und so zu lesen auf einem Niveau unterhalb der Bild im Spiegel. Man lässt ja inzwischen schreiben. Herr Wagner hat irgendwann Jura studiert, danach als Journalist bei der ARD gedient und verdient sein Geld nun mit dem was in der Justiz alles faul ist. Eine wundervolle Stellungnahme hier.

Wenn man von etwas nichts versteht, kann man sich über die Niederungen einiger weniger Kollegen ereifern, die angeblich den Staat abzocken. Um das ganze in das rechte Licht zu rücken, einige Kleinigkeiten:

1. Das Jobcenter erlässt den Bescheid, nicht der Anwalt. Nur so zur Klarstellung. Die Fehler, die dort gemacht werden, haben in der Regel weniger mit komplexen Sachverhalten zu tun. Die Anrechnung von Einkommen z.B. ist kein Hexenwerk und seit Jahren gleich. Nehmen Sie anders: Ihr Chef muss Ihr Gehalt bezahlen, zahlt nicht und regt sich auf, dass Sie ihn verklagen.

2. Nach Erhebung des Widerspruchs bleiben dem Jobcenter 3 Monate um die Sache abzuarbeiten. Dafür gibt es eine eigene Abteilung. Wie viele Menschen dort arbeiten, entscheidet nicht der Anwalt. Nach 3 Monaten kann man Untätigkeitsklage erheben. Früher war ich dabei extrem zurückhaltend und musste diese Nicht-Aktion vor dem Mandanten rechtfertigen ...Zum vollständigen Artikel

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