Das Selbstverständnis des Strafverteidigers

von Mirko Laudon

In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ wird unter dem Titel »Im Namen der „Bösen“« ein durchaus interessanter Blick auf die Strafverteidigerin Anja Sturm und ihr Selbstverständnis eröffnet. Seit nunmehr 109 Verhandlungstagen verteidigt sie vor dem Oberlandesgericht München zusammen mit Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl die Angeklagte Beate Zschäpe – im wohl bedeutendsten Strafprozess der Bundesrepublik Deutschland.

In der Öffentlichkeit vorverurteilt

In der Vergangenheit musste sich Anja Sturm selbst gegen Angriffe von „Kollegen“ verteidigen – etwa, dass man sich als Verteidiger mitschuldig mache, wenn man wie Sturm und ihre beiden Mitverteidiger einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stelle und Zschäpe dadurch freikäme. Oder wie es sich anfühle, die „Böse“ zu verteidigen, nicht auf der „richtigen Seite“ zu stehen, wie es eine Vertreterin der Nebenklage allen Ernstes formulierte? Allein solche Fragen von Rechtsanwälten machen einigermaßen sprachlos – kommen sie doch einem Angriff auf den Rechtsstaat gleich und untergraben nicht nur tragende Verfassungsprinzipien auf ein faires und rechtsstaatliches Verfahren (Art. 6 MRK), sondern außerdem auch die Unschuldsvermutung. Es heißt nichts anderes, als dass „solche Menschen“ keine Verteidigung verdient hätten. Völlig zu Unrecht wird häufig auch kritisiert, dass die Angeklagte von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch macht ...

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