Vergewaltigung: Wer ist Täter und wer ist Opfer?

von Mirko Laudon

Der Ärger über den Artikel bezüglich einer Studie zur Strafverfolgung von Vergewaltigungen auf Sueddeutsche (und anderen) ist noch nicht abgeklungen. Zu groß war die Ignoranz und Naivität des Autors Ro­land Preuß1, der in der Ursprungsversion des Artikels folgenden Satz formulierte:

„Man kann nicht ernst­haft un­ter­stel­len, dass Frauen eine Ver­ge­wal­ti­gung erfinden.“

Allerdings ist die Falschbeschuldigung einer Vergewaltigung wahrscheinlich in etwa so alt wie die Menschheit und findet sich sogar in der Bibel (Buch Genesis/1. Mose, Kapitel 39). Wer in der Praxis häufig mit Falschbeschuldigungen zu tun hat, dem werden schnell die Augen geöffnet, wie hartnäckig und keineswegs selten solch ein falsch erhobener Vorwurf ist.

Eine Studie der bayrischen Polizei von Erich Elsner und Wiebke Steffen („Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in Bayern“, 2005) gibt im Kapitel „Vortäuschungen von oder falsche Verdächtigungen wegen Vergewaltigung oder sexueller Nötigung (§§ 145d, 164 StGB)“ (Seite 177) folgendes Zitat eines Kommissaritatsleiters wieder (Hervorhebung hier):

„Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten sind sich einig, dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden. Viele angezeigte Fälle lassen zwar die Vermutung einer Vortäuschung bzw. falschen Verdächtigung zu, berechtigen jedoch nicht zu einer entsprechenden Anzeige.“

Mit anderen Worten: Ja – mehr als die Hälfte aller angezeigten Sexualstraftaten in Bayern sind falsch (vorgetäuscht)2 – aber wir können nicht gegen die Anzeigeerstatter(innen) ermitteln, weil es am Anfangsverdacht3 fehlt. Die genaue Prüfung eines Verdachts bereits im Stadium der Vorermittlungen könnte ein Grund dafür sein, warum die Verurteilungsquote bei Sexualdelikten in einigen Bundesländern besonders hoch ist ...

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