Die Schwächen der Strafverfolgung im Sexualstrafrecht

von Mirko Laudon

Es war ein Satz in einem Artikel von Roland Preuß auf Sueddeutsche.de, der gestern nicht nur in den sozialen Netzwerken die Gemüter erhitzte:

„Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass Frauen eine Vergewaltigung erfinden.“

Mittlerweile ist der Satz dort nicht mehr so zu lesen. Eine derartige Verallgemeinerung ist ausgesprochen naiv, besagt sie doch, dass Frauen nie eine Vergewaltigung erfinden würden. Die Realität ist leider eine andere.1

Vorab ist klarzustellen, dass sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung hier keineswegs verharmlost werden sollen oder gar unterstellt, dass Falschbeschuldigungen die Regel wären. Es ist auch unbestritten, dass viele Frauen sich immer noch davor scheuen, die Tat anzuzeigen und die Dunkelziffer der nicht angezeigten Taten dadurch sehr hoch ist. Durch die in dem Artikel erwähnte Studie zu Vergewaltigungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) wird jedoch eine Sachlage suggeriert, die nur bedingt richtig sein kann.

Mehr Anzeigen, weniger Urteile

Die statistische Feststellung zu Beginn gibt in der Tat Anlass zur Besorgnis:

Eine bundesweite Analyse zur Strafverfolgung der Vergewaltigung zeigt einen klaren Trend: Vor 20 Jahren erlebten 21,6 Prozent der eine Anzeige erstattenden Frauen die Verurteilung des Täters. 2012 waren es nur noch 8,4 Prozent.

Auch der Befund, dass zwischen den einzelnen Bundesländern erhebliche Unterschiede in der Einstellungsquote bestehen, lässt – die Richtigkeit des Ergebnisses unterstellt – deutliche Probleme zutage treten. Danach soll die Verurteilungsquote in den einzelnen Bundesländern von 4,1% bis 24,4% variieren, was bedeuten würde, dass in einem Bundesland jede 4. Strafanzeige wegen Vergewaltigung zu einer Verurteilung führt, in anderen nur jede 25 ...

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