Ökonomie versus Menschlichkeit

Am vergangenen Dienstag hat die zweite Zivilkammer des Landgerichts Mainz das Urteil in einem Arzthaftungsprozess verkündet. Klägerin war eine Patienten, die nach einer Operation ins Wachkoma gefallenen ist. Beklagt waren eine Privatklinik, deren Leiter und Operateur sowie eine Medizinstudentin.

Der Fall
Die Klägerin sollte nach einer Operation in Vollnarkose noch ein bis zwei Tage in der Privatklinik bleiben, in der sie operiert worden war. Einzige Nachtwache in der Abteilung war eine Medizinstudentin im 10. Semester. Nachdem die Klägerin sich mehrfach übergeben hatte, schaute die Studentin in die Medikamentenliste des Anästhesisten und fand dort nicht nur ein Medikament gegen Übelkeit, sondern auch den Eintrag “Infusionsreste aus OP i.v.”.

Rechtsanwältin Melanie Kamper

Sie entschied sich, die angebrochene Infusion zu verabreichen, die ein Etikett mit der Aufschrift „NaCl“ trug. In der Flasche befand sich jedoch nicht nur die Kochsalzlösung, sondern auch ein Narkosemittel. Daraufhin kam es bei der Klägerin zu einem Atem- und Kreislaufstillstand. Der herbeigerufene Notarzt konnte sie zwar reanimieren, doch liegt die Klägerin seitdem mit irreversiblen Hirnschäden im Wachkoma.

Urteilsbegründung “Organisationsverschulden”
Der Urteilsbegründung liegt u.a. ein Organisationsverschulden zu Grunde. Strukturelle Probleme in der Organisation der Klinik, so das Gericht, hätten die Fehler bei der Nachbehandlung verursacht ...

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