Möglicherweise zu kühl formuliert

von Mirko Laudon

Wie geht eine Staatsanwaltschaft mit einer Strafanzeige wegen Kindesmisshandlung (juristisch: Misshandlung von Schutzbefohlenen) um? Wenn es um hilflose Kinder geht — sehr sorgfältig — sollte man meinen. Und wie, wenn die Strafanzeige nicht relativ vage von irgendwem erstattet wird, sondern von einem Rechtsmediziner mit konkreten Schilderungen der Verletzungen?

Kombination der schweren Verletzungen noch nie gesehen

Im Januar 2013 wird die dreijährige Yagmur während eines Krankenhausaufenthaltes wegen schwerster – „ungewöhnlich massiver“ – Verletzungen rechtsmedizinisch untersucht, nachdem sie notoperiert worden war. Das Mädchen war durch ein Oberbauchtrauma mit Verletzung der Bauchspeicheldrüse (eine extreme Rarität) und ein Hirntrauma sogar zweifach in Lebensgefahr.

Anfang Februar erstattet der Leiter der Hamburger Rechtsmedizin Prof. Klaus Püschel Strafanzeige gegen Unbekannt — was „bei jährlich rund 250 Fällen nur ein– bis zweimal“ vorkomme. Zwar hatte er das Kind nicht selbst untersucht, sondern eine Kollegin – aber schon nach Aktenlage sei dieser Fall so einzigartig gewesen in einer Art und Weise, wie er dies noch nicht erlebt hatte. Er habe das Mädchen als hochgradig gefährdet angesehen und deshalb vorab telefonisch die Staatsanwaltschaft und das Jugendamt informiert.

http://media.ndr.de/progressive/2014/0117/TV-20140117–1954-4042.hi.mp4

Ermittlungen wegen Kindesmisshandlung kommen nicht voran

Nachdem der Rechtsmediziner die Strafanzeige erstattet hatte, habe er lange Zeit nichts gehört. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte, konnte aber nicht feststellen, ob die Pflegemutter oder die leiblichen Eltern dem Kind die Verletzungen zugefügt hatten. Die Pflegemutter hatte sich selbst bezichtigt, die Verletzungen verursacht zu haben, indem sie das Mädchen in ihrem Maxi-Cosi schüttelte ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK