„Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Anwalt, Sie bekommen Ihr Geld schon …“

von Rainer Pohlen

Ein Unterschied zwischen allgemein-forensisch tätigen Strafverteidigern und reinen Wirtschaftsstrafrechtlern dürfte sein, dass die Erstgenannten sehr viel häufiger ihrem Honorar hinterherlaufen als die anderen. Es gehört zum kleinen Einmaleins der Strafverteidigung, dass eine solide Vorschusspraxis das Auskommen sichert, während man dem Geld unabhängig vom Verfahrensausgang oft hinterherläuft, wenn man es nicht spätestens vor der Hauptverhandlung kassiert hat. Das alte Sprichwort „Erst die Ware, dann das Geld“ versagt in der anwaltlichen Praxis.

Gestern hätte ich eigentlich in einer mittelprächtigen Strafsache vor einem auswärtigen Gericht verteidigen sollen. Vorgestern habe ich meine Teilnahme an der Hauptverhandlung per Telefax abgesagt, weil der Mandant erneut nicht zu einer vereinbarten Rücksprache erschienen war und trotz zahlreicher Versprechungen den vereinbarten Honorarvorschuss wiederum nicht gezahlt hatte. „Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Anwalt, Sie bekommen Ihr Geld schon …“, hatte er mir wiederholt versichert, wobei er die Fragezeichen auf meiner zusammengekrausten Stirn geflissentlich übersah. Es lag kein Fall einer notwendigen Verteidigung vor, so dass die Terminsabsage rechtlich unproblematisch war. In anderen Fällen muss man sich einigermaßen frühzeitig abmelden, damit noch ein anderer Verteidiger beigeordnet werden kann. Eine Terminsabsage „zur Unzeit“ kann nämlich dazu führen, dass dem Verteidiger die Kosten des Termins aufgebrummt werden, was eine reichlich unliebsame Nebenerscheinung einer Mandatsbeendigung ist.

„Können diese Augen lügen?“, fragte mich ein Mandant einmal, als er entgegen anderslautenden Zusagen zum wiederholten Mal ohne Geld in der Kanzlei erschienen war ...

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