Ermittlungen gegen 23 Polizisten – ein Feigenblatt

von Thomas Wings

“Skandalspiel Schalke gegen Saloniki – Ermittlungen gegen 23 Polizisten“, so titelt Spiegel Online und auch andere Medien berichten über diese Nachricht.

Das klingt zunächst ja auch nach einer guten und gerechten Nachricht. Denn dass hier der gesamte Polizeieinsatz völlig anlasslos durchgeführt wurde, grob unverhältnismäßig und unsinnig war und dabei zumindest einzelne Polizisten bei ihrem Versuch, an das corpus delicti, eine Flagge Mazedoniens(!) zu gelangen, Besucherinnen und Besucher des Spiels mit Pfefferspray und Schlagstock verletzten oder zu verletzen versuchten, das konnte ich seinerzeit nicht nur mit eigenen Augen fassungslos beobachten, sondern war reichlich Gegenstand der öffentlichen Diskussion, sei es in den Medien oder sogar im Innenausschuss des Landtags.

Dieser öffentlichen Diskussion dürfte es zu verdanken sein, dass nun vermeldet wird, gegen 23 Polizisten würde wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt werden. Allein, ich halte diese veröffentlichte Mitteilung für ein bloßes Feigenblatt. Es liest sich gut, wenn die Strafverfolger in der Lage sind, auch in ihren eigenen Reihen Straftaten aufzuklären. Denn letztlich ermittelt man gegen sich selbst. Polizisten gegen Polizisten. Staatsanwälte gegen ihre eigenen Ermittlungsbeamten, die der Staatsanwaltschaft sonst zuarbeiten. Was jeder auch nur in Ansätzen begnadete Küchenpsychologe jedoch weiß, hat sich bis zum Gesetzgeber leider noch nicht herumgesprochen: Wenn Menschen gegen andere Menschen unangenehme Dinge, hier also Ermittlungen führen, tun müssen, mit denen sie im übrigen über Jahre zusammenarbeiten, dann schleicht sich in diese Ermittlungen entweder bewusst oder unbewusst eine Sympathie für den anderen ein, der sich letztlich auf das gesamte Verfahren erstreckt. Im Klartext: Ich würde viel darauf setzen, dass am Ende nicht ein einziger Polizist angeklagt oder gar verurteilt werden wird ...

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